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Inkontinenz

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Einleitung

Die Harninkontinenz tritt aufgrund unterschiedlicher Ursachen auf. Dies macht eine genaue Diagnose um so wichtiger, damit die anschließende Therapie optimal auf den Patienten abgestimmt werden kann. Die Harninkontinenz lässt sich in folgende Formen einteilen:

Die Streßinkontinenz (Anstrengungs- oder Belastungsinkontinenz)
Die Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz)
Überlaufinkontinenz
Die Reflexblase

 


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Einleitung

Die Harninkontinenz ist ein weit verbreitetes Symptom, das dadurch gekennzeichnet ist, dass der Urin unfreiwillig aus der Harnblase austritt. Experten schätzen die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf derzeit rund vier Millionen Frauen und Männer, die zeitweilig oder regelmäßig darunter leiden. 1,1 Millionen Frauen und 200 000 Männer sind in der Altersgruppe der 21- bis 65-Jährigen betroffen, bei der Altersgruppe ab 65 sind es 1,5 Millionen Frauen und 500 000 Männer.

Besondere Bedeutung für die Betroffenen haben die sozialen Folgen der Harninkontinenz, da häufig soziale Isolation und massive Einschränkungen der Mobilität vorliegen.

 

 

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Die Streßinkontinenz
(Anstrengungs- oder Belastungsinkontinenz)

Hierbei kommt es zu einem Urinverlust bei plötzlichen Veränderungen des im Bauchraum herrschenden Druckes, zum Beispiel durch Husten oder Niesen. Auch Lageveränderungen, wie Aufstehen aus dem Sitzen oder ähnliches, können zum Verlieren des Urins führen.

Ein plötzliches Ansteigen des Druckes im Bauchraum überträgt sich auf die Blase. Der Schließmuskelapparat liegt in einer Art Bodenplatte des Körpers, dem Beckenboden. Bei einer Beckenbodenschwäche reagiert der Schließmuskel nicht kräftig oder schnell genug. Dabei senkt sich ein Teil der Blase durch den Beckenboden nach unten. Das beschreibt das Phänomen der Blasensenkung. Je nachdem, wie ausgeprägt die Blasensenkung ist, schwankt die Menge des Urins, die ohne Kontrolle wegläuft, von einigen Tropfen bis hin zu größeren Anteilen des Blaseninhaltes.

Die Stressinkontinenz ist die häufigste Inkontinenzform bei Frauen mittleren Alters. Die Ursachen sind häufig Schließmuskelbeschädigungen durch Geburten oder ein mit Beginn der Wechseljahre auftretender Hormonmangel (Östrogene).

Therapie: Dieses Krankheitsbild ist eine Domäne der krankengymnastischen Behandlung mittels Beckenbodengymnastik, die durch eine Reizstrombehandlung zur Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur ergänzt werden kann. Um einen aufgetretenen Hormonmangel aufzufangen, gibt man gerne Östrogene.

Um bei einer Blasensenkung einen dauerhaften Erfolg zu erzielen, muss diese operativ behoben werden, indem man z. B. das Gewebe direkt neben dem Übergang der Blase zur Harnröhre vom Bauchraum aus anhebt und oben in der straffen Bauchdecke verankert.

 

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Die Dranginkontinenz
(Urgeinkontinenz)

Bei dieser Form der Inkontinenz kommt es zu einem sehr starken Harndrang, der nur sehr schwer zu unterdrücken ist. Meistens schafft es der Patient nicht, noch rechtzeitig eine Toilette aufzusuchen, bevor er Urin verliert.

Dranginkontinenz ist häufig ein Symptom für eine zugrunde liegende Erkrankung, welches z.B. in einer Entzündung der Blase liegt. Identifiziert man den Erreger und behandelt mit dem passenden Antibiotikum, verschwinden die Beschwerden schnell. Gewebsveränderungen oder aber Steine in der Blase können auch Ursache für eine Dranginkontinenz sein. Auch neurologische Erkrankungen können zu einer Dranginkontinenz der Blase führen.

Bei einer Reizblase kommt es zu ständigem Harndranggefühl, das die Patienten veranlasst, eine Toilette aufzusuchen, obwohl keine große Menge Urin in der Blase ist. Zu einem echten Urinverlust kommt es bei dieser Form meist nicht. Hierbei kann es sich um eine neurologische Erkrankung, die als sensorische Urgeinkontinenz (Dranginkontinenz) bezeichnet wird, handeln.

Therapie: Die Blasennerven, die die Empfindung für die Blasenfüllung steuern, sind überaktiv und müssen daher gedämpft werden. Spasmolytika sind in der Therapie der Dranginkontinenz die Wirkstoffe der ersten Wahl.

Häufig ist hier keine Dauertherapie notwendig, da die Blase diesen überreizten Zustand mit der Zeit überwindet und sich wieder stabilisiert.

Eine Krampfblase mit Urinverlust wird als motorische Dranginkontinenz bezeichnet. Hierbei zieht sich der Blasenmuskel immer wieder zusammen. Ist der Schließmuskel zu schwach, um diesen Krampfwellen standzuhalten, kommt es zum Urinverlust.

Diese Blasenstörung finden wir bei Patienten, deren Blasensteuerungszentren nicht mehr korrekt arbeiten. Liegt die Ursache in der Steuerzentrale des Gehirns, so sind davon Menschen mit schweren Durchblutungsstörungen bei Gefäßverkalkung betroffen. Auch nach Schlaganfällen und großen Gehirnblutungen finden sich häufig diese Krampfblasen, weil die bewusste Steuerung der Blasenfunktion entfällt.

Bei Erkrankungen des Nervensystems wie der Multiplen Sklerose oder dem Parkinson-Syndrom (Schüttellähmung) kann diese Form der Blasenerkrankung ebenfalls auftreten. Allerdings ist hier häufig auch der Schließmuskel der Blase von der neurologischen Grunderkrankung betroffen. In diesen Fällen krampfen Blasenmuskel und Schließmuskel gleichzeitig. Das empfindliche Zusammenspiel zwischen diesen beiden Systemen ist gestört.

Spasmolytika bieten eine ausgezeichnete Option zur Therapie.
Hat der Patient die Sonderform der Krampfblase mit Neigung zur Bildung von Restharn, der nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt, so kann dieser unter der krampflösenden Therapie weiter ansteigen. Das macht regelmäßig Kontrollen des Restharns mittels Ultraschall notwendig.

Als Sonderform der Inkontinenz ist die gemischte Inkontinenz zu beschreiben. Hierbei handelt es sich meist um eine Kombination aus Reizblase und Stressinkontinenz. Dabei kann es zu unwillkürlichen Krämpfen der Blase unter starker Harndrangsymptomatik kombiniert mit einer Schwäche des Schließmuskelapparates kommen, was zu einem unfreiwilligen Urinverlust führt. Hier ist es sinnvoll, die Blase mit Spasmolytika vorzubehandeln. Verringert sich die Harndrangsymptomatik, kann die krankengymnastische Therapie zusätzlich durchgeführt werden, bis der Patient wieder trocken und beschwerdefrei ist.

 

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Überlaufinkontinenz

Diese Art der Harninkontinenz ist der Gegenpol zu der oben genannten überempfindlichen, krampfenden Blase. Die Information über den Füllungsstand der Blase wird nicht oder nur unzureichend weitergegeben. Die Nerven, die den Blasenmuskel aktivieren und eine Entleerung der Blase einleiten, funktionieren nicht oder nicht ausreichend. Dadurch sammelt sich immer mehr Urin in der Blase. Im Extremfall kann dies dazu führen, dass der Patient kein Wasser lassen kann (Harnverhalt). Er muss aktiv mit dem Bauch drücken oder sogar die Faust in die Blasenregion stemmen, um urinieren zu können. Schließlich kommt es zu einem „Überlaufen“ des Urins mit tröpfelndem Urinabgang.

Diese Form der Blasenerkrankung finden wir nach großen Operationen im Bauchraum, bei denen die Blasennerven in Mitleidenschaft gezogen wurden. Erkrankungen wie die Multiple Sklerose, das Parkinson-Syndrom oder auch Diabetes können zu einer schlaffen Blase führen.

Gelegentlich kommt die Überlaufinkontinenz bei der gutartigen Prostatavergrößerung (BPH) vor. Mit zunehmenden Alter vergrößert sich das Prostatagewebe und drückt die Harnröhre immer weiter zusammen. Dadurch sammelt sich der Urin in der Blase und kann beim Wasserlassen nicht vollständig durch die Harnröhre ablaufen. Hier gilt es primär die Prostatavergrößerung zu behandeln. Dazu gibt es Medikamente oder aber urologische, Routineeingriffe, die ambulant vorgenommen werden können.

Der Patient muss bei dieser Blasenkrankheit der Blasenentleerung ausreichend Aufmerksamkeit schenken. Um dies zu unterstützen, kann man versuchen, den Schließmuskel der Blase medikamentös zu entspannen, damit der Urin leichter abfließen kann. Führt dies nicht zu einem ausreichenden Erfolg, muss der Urin über ein Kathetersystem abgeleitet werden.

 

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Die Reflexblase

Diese Blasenentleerungsstörung findet sich bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen ab dem 12. Brustwirbelkörper. Die Krampfzustände des Blasenmuskels ab einem gewissen Füllungsgrad der Blase nehmen ständig zu. Äußere Reize wie Beklopfen der Blasenregion lösen ein Wasserlassen ohne Hilfsmittel trotz bestehender Lähmung, aus.

Auf alle Konsequenzen und Details der Querschnittslähmung mit ihren Auswirkungen auf den Harntrakt einzugehen, würde den Rahmen dieser Information sprengen. Jeder Querschnittspatient sollte sich in regelmäßiger urologischer Kontrolle befinden, da dies für den Verlauf seiner Erkrankung von entscheidender Bedeutung ist.

 

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