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Juvenile Arthritis

Weiterführende Informationen:

Krankheitsbild
Häufigkeit - Inzidenz
Entstehung - Pathogenese
Diagnose
Therapiemöglichkeiten

 


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Krankheitsbild

Die juvenile Arthritis (juvenil von lat.: iuvenilis=jugendlich; Arthritis von griech.: arthron = Gelenk, itis = Entzündung) ist ein Sammelbegriff für chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Es gibt verschiedene Erscheinungsformen der juvenilen Arthritis, die sich in Anzahl und Muster der betroffenen Gelenke unterscheiden. So sind bei manchen Patienten anfangs nur wenige Gelenke entzündet. Hier sind es oft die großen Gelenke, wie Kniegelenke und Sprunggelenke. Im aktiven Krankheitsschub schmerzen diese, sind geschwollen, gerötet und überwärmt und ihre Beweglichkeit ist deutlich eingeschränkt (oligoarthritische Form der juvenilen Arthritis, oligos von griech.: wenige). Um die Gelenke zu entlasten, werden typische Fehl- und Schonhaltungen eingenommen. Die Leistungsfähigkeit der Patienten ist herabgesetzt, sie wirken müde und abgeschlagen.

Bei einer schwereren Form, der sogenannten polyarthritische Form der juvenilen Arthritis ( poly von griech.: viele), ist die Anzahl der betroffenen Gelenke höher und es sind vorzugsweise kleinere Gelenke entzündet, z. B. die Finger- und Handgelenke. Manchmal fallen hier bereits Veränderungen auf, wie man sie von anderen rheumatischen Erkrankungen her kennt. So ähneln einige Fehlstellungen der Finger denen der rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen. Die eingeschränkte Fingerbeweglichkeit hat zur Folge, dass in bestimmten Phasen der kindlichen Entwicklung das Erlernen neuer Fertigkeiten deutlich erschwert ist. Dies zeigt sich z. B. beim Greifen von Gegenständen oder auch beim Schreiben.

Begleitend zum Gelenkbefall sind vielfach auch innere Organe, die Haut oder die Augen betroffen und es treten wiederkehrende Fieberschübe auf. Eine Altersgrenze für die juvenile Arthritis gibt es dabei nicht und selbst Säuglinge können daran erkranken. Sie fallen ihren Eltern z. B. auf, indem sie fortwährend wimmern, auf Berührungen sehr empfindlich reagieren oder eine schmerzbedingte Schonhaltung einnehmen.

 

 

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Häufigkeit - Inzidenz

An der juvenilen Arthritis sind in Deutschland etwa 4000 – 5000 Jugendliche im Alter bis zu 16 Jahren erkrankt, ca. 750-1000 Kinder erkranken jährlich neu daran. Die juvenile Arthritis ist damit die häufigste chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung im Kindesalter. Mehrheitlich sind Mädchen betroffen. Ihr Anteil an der Patientengruppe mit Entzündungen an den großen Gelenken ist mit 70-80% besonders hoch. Oft liegt der Erkrankungsbeginn noch vor dem 6. Lebensjahr.

Etwa 10 % der an juveniler Arthritis erkrankten Kinder leiden zusätzlich zum Gelenkbefall unter einer Entzündung der Regenbogenhaut des Auges.

 

 

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Entstehung - Pathogenese

Die Ursache der juvenilen Arthritis ist in weiten Teilen noch unbekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der entscheidende Vorgang eine fehlgesteuerte Reaktion des Immunsystems ist. Dieser Abwehrapparat hat die Aufgabe, gefährliche Krankheitserreger, Fremd- und Schadstoffen zu erkennen und gezielt zu zerstören. Körpereigene Substanzen und umliegendes Gewebe werden von den Zellen des Immunsystems normalerweise erkannt und toleriert. Ist die Zell-Zell-Kommunikation jedoch gestört, so entfaltet das Immunsystem seine zerstörerische Aktivität auch gegen körpereigenes Gewebe, was letztlich zu einer Entzündungsreaktion führt.

 

 

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Diagnose

Zu Beginn der Diagnosestellung wird der Arzt nach Art, Beginn und Verlauf der aktuellen Beschwerden fragen. Ihn wird interessieren, ob es Hinweise auf auslösende Ereignisse gibt und ob weitere Fälle einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung in der Familiengeschichte bekannt sind. Anschließend erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der jedes schmerzhafte Gelenk untersucht wird. Auch auf Hautveränderungen und eine Beteiligung der Augen wird der Arzt achten. Eine Untersuchung des Blutes erleichtert ihm die Diagnosestellung und Beurteilung des aktuellen Entzündungsgeschehens. Die Blutwerte geben Aufschluss über die Funktionsfähigkeit innerer Organe und ermöglichen genauere Aussagen zum weiteren Krankheitsverlauf. Zusätzlich wird der Arzt bildgebende Verfahren einsetzen, um mehr über den Zustand der entzündeten Gelenke zu erfahren und Schädigungen zu erkennen. Für diese Fragestellungen eignen sich Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen.

Sind die Patienten noch in einer frühkindlichen Entwicklungsphase oder jünger, so ist die Diagnose einer juvenilen Arthritis manchmal nicht ganz einfach. Denn erst ab einem bestimmten Alter können Kinder ihre Beschwerden überhaupt mitteilen und richtig beschreiben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Symptome einer juvenilen Arthritis gerade im Anfangsstadium denen anderer rheumatischer Erkrankungen ähneln. Daher sollte möglichst ein Facharzt für Kinder-Rheumatologie aufgesucht werden, der auf die Besonderheiten der Diagnosestellung spezialisiert ist und eine wirksame und verträgliche Therapie einleiten und überwachen kann.

 

 

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Therapiemöglichkeiten

Zur Behandlung der juvenilen Arthritis stehen in erster Linie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), sog. Basistherapeutika und Glucocortikoide zur Verfügung. NSAR helfen gegen Gelenkschmerzen, Schwellungen und Fieber. Sie wirken rasch und meist tritt eine Besserung innerhalb von Stunden bis Tagen ein. Bei leichten Verläufen ist diese Therapie oft ausreichend wirksam. Schreitet die Erkrankung jedoch chronisch fort, sind zusätzlich Basistherapeutika erforderlich. Sie greifen regulierend in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können das weitere Fortschreiten der Erkrankung abschwächen und verhindern.

Fast jeder zweite Patient einer juvenilen Arthritis wird hierzulande mit dem Wirkstoff Methotrexat behandelt. Es ist das am häufigsten eingesetzte Basistherapeutikum weltweit. Der Wirkeintritt ist, wie bei allen Basistherapeutika, erst nach Wochen bis Monaten zu erwarten. Andere Basistherapeutika, die bei der juvenilen Arthritis eingesetzt werden, sind zum Beispiel der Wirkstoff Sulfasalazin oder die Antimalariamittel.

Als dritte medikamentöse Säule haben sich Glucocorticoide bewährt. Sie wirken stark entzündungshemmend und werden entweder in Tablettenform eingenommen oder als Lösung direkt in das entzündete Gelenk injiziert. Diese Substanzen wirken sehr schnell schmerzlindernd und kurzfristig entzündungshemmend. Sie beeinflussen jedoch nicht den eigentlichen Krankheitsverlauf. Bei den meisten Patienten kommen Glucocorticoide so lange zum Einsatz, bis die Entzündungen und Schmerzen deutlich abklingen. Anschließend wird oft deren Dosis reduziert oder das Präparat ganz ausgeschlichen.

Neben der medikamentösen Behandlung bieten sich nicht-medikamentöse Behandlungsformen an. An vorderster Stelle stehen krankengymnastische Übungen, physikalische Therapien, Patientenschulungen und Hilfsmittel, wie z. B. Einlagen. Ein gemeinsames Vorgehen von Fachärzten verschiedener Disziplinen und Therapeuten ist wünschenswert und sichert einen nachhaltigen Behandlungserfolg.

 

 

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