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Blutkrebs Einführung Ebenso wie andere Körperzellen können auch die Blutzellen entarten und es kann so eine Krebserkrankung entstehen. Rudolf Virchow prägte für Blutkrebs den Begriff „Leukämie”, der aus dem griechischen kommt und „weißes Blut” bedeutet, da sich im Blut von Patienten mit einer bestimmten Blutkrebsart häufig eine deutlich erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen findet. Ungefähr 10.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Leukämie, was ca. 2,1% aller Krebsneuerkrankungen entspricht. Über 600 dieser Patienten sind Kinder unter 15 Jahren- in dieser Altersgruppe liegt der Anteil der Leukämien unter den Krebserkrankungen bei über einem Drittel.
Blutzellen und ihre Bildung Blut ist keine einfache Flüssigkeit, sondern es enthält verschiedene Zellarten, die jeweils eigene Aufgaben erfüllen. Rote Blutkörperchen (die „Erythrozyten”) transportieren den Sauerstoff in die verschiedenen Körperteile, Blutplättchen (die „Thrombozyten”) sind wichtig für die Blutgerinnung und die weißen Blutkörperchen („Granulozyten” und „Lymphozyten”) sind verantwortlich für die körpereigenen Abwehrkräfte. Alle Blutkörperchen werden im Knochenmark gebildet; dieser Vorgang wird als „Hämatopoese” bezeichnet (Abbildung). Aus einer Stammzelle entwickeln sich die verschiedenen Blutzell-Linien, die später in die Blutbahn entlassen werden.
Man unterscheidet zwei Linien von Blutzellen: die myeloische und die lymphatische Linie. Aus den myeloischen Stammzellen entwickeln sich jeweils über mehrere Zwischenschritte die Erythrozyten (rote Blutkörperchen), die Thrombozyten (Blutplättchen), die Granulozyten (eine Form der weißen Blutkörperchen) und die Makrophagen (Fresszellen). Die lymphatischen Stammzellen entwickeln sich weiter zu B- und T-Lymphozyten, die wie die Granulozyten zu den weißen Blutkörperchen gehören. Jede dieser Linien und jede der Entwicklungsstufen kann von einer Entartung betroffen sein, die zur Leukämieentstehung führt.
Leukämie Je nachdem, welche Zellen des Blutes entartet sind, wird Blutkrebs in myeloische und lymphatische Leukämien unterteilt. Bei den myeloischen Leukämien sind dies die Vorläuferzellen der Erythrozyten, der Thrombozyten, der Granulozyten oder der Makrophagen, bei den lymphatischen Leukämien die Vorläuferzellen der B- oder T-Lymphozyten. Eine weitere Einteilung erfolgt nach dem Entwicklungsgrad der bösartigen (malignen) Zellen: die Blutzellen der chronischen Leukämie sind verhältnismäßig ausgereift, während sich bei einer akuten Leukämie die malignen Zellen noch auf einer frühen Entwicklungsstufe (unreife Zellen, „Blasten”) befinden. Entsprechend unterscheidet man also vier Leukämieformen:
Eine akute Leukämie beginnt meist plötzlich und kann in jedem Alter auftreten. Im Knochenmark häufen sich die Blasten, d.h. die unreifen bösartigen Zellen, an und führen zu einer Verminderung der normalen Blutbildung. Dies kann sich folgendermaßen äußern:
Alle diese Symptome können auch bei anderen Erkrankungen auftreten, so dass eine Diagnose erst mit Hilfe weiterführende Untersuchungen vom Arzt gestellt werden kann. Der Verlauf einer chronischen Leukämie ist langsamer, diese Form ist vor allem bei älteren Menschen zu beobachten. Eine chronische Leukämie wird häufig zufällig entdeckt, z.B. im Rahmen einer Routine-Blutuntersuchung. Die Altersverteilung ist bei den einzelnen Leukämietypen unterschiedlich. AML, CML und CLL finden sich vor allem bei älteren Menschen über 60 Jahren, während die ALL eher bei kleinen Kindern (1 bis 4 Jahre) auftritt.
Ursache Bislang ist nur teilweise bekannt, wodurch eine Leukämie verursacht wird. Vermutete Auslöser, die sich allerdings nur schwer als solche nachweisen lassen, sind Strahlung, chemische Substanzen (z.B. Behandlung einer vorausgegangenen anderen Krebserkrankung, Chemikalien) oder Rauchen. Ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung an einer akuten Leukämie wurde für Kinder mit bestimmten Erbkrankheiten, insbesondere Trisomie 21 („Down-Syndrom”) gezeigt. Für eine sehr seltene, hauptsächlich in Japan auftretende Leukämieform wird ein bestimmtes Virus als Ursache vermutet. Über weitere mögliche Ursachen wie z.B. ein schlecht „trainiertes” Immunsystem wird diskutiert, ein Zusammenhang konnte bislang jedoch nicht gezeigt werden.
Diagnose Es werden mehrere Untersuchungen vorgenommen, um die genaue Diagnose stellen zu können.
Therapie Ziel einer jeden Leukämie-Therapie ist es, die Leukämiezellen zu zerstören und die normale Blutbildung wiederherzustellen. Die Therapie der Leukämie ist je nach Krankheitsform unterschiedlich und wird in einer Spezialklinik oder durch spezialisierte Ärzte durchgeführt. Bei Patienten mit akuten Leukämien (AML und ALL) ist es wichtig, sofort und sehr intensiv zu behandeln, da die Krankheit sonst rasch voranschreiten und zum Tode führen kann. Die Therapie wird entsprechend des Rückfallrisikos eines Patienten entweder intensiver oder etwas weniger intensiv gestaltet, um eine maximale Ansprechrate mit möglichst geringen Nebenwirkungen zu erreichen. Nahezu alle Patienten können im Rahmen von klinischen Studien behandelt werden, deren Konzept dem neuesten Behandlungsstandard entspricht. Die Therapie einer AML wird in mehreren Phasen durchgeführt:
Klinische Studien werden von verschiedenen AML-Studiengruppen durchgeführt.
Auch die Therapie einer ALL erfolgt in mehreren Phasen, die insgesamt etwa zwei bis drei Jahre dauern:
Klinische Studien in Deutschland für Erwachsene werden von der German Multicenter ALL (GMALL) Studiengruppe durchgeführt, Kinder werden in der Regel im Rahmen der Studien der Berlin-Frankfurt-Münster (BFM) Gruppe oder der kooperativen ALL-Studiengruppe (COALL) behandelt.
Chronische Leukämien (CML und CLL) haben in der Regel einen langsameren Verlauf und werden oft bei Routineuntersuchungen festgestellt. Wie bei den akuten Leukämien werden auch hier Medikamente eingesetzt, die das Wachstum der bösartigen Zellen hemmen. Eine CML verläuft üblicherweise in drei Phasen:
Typisch für die CML (in allen Krankheitsphasen) ist das Vorliegen einer bestimmten Genveränderung, das sogenannte Philadelphia-Chromosom, in den Leukämiezellen. Dies führt dazu, dass ein neues Enzym (eine sogenannte „Tyrosinkinase”) gebildet wird, das ständig aktiv ist und zu einer unkontrollierten Vermehrung der Leukämiezellen führt. Eben dieses Enzym ist der Ansatzpunkt einer Therapie der CML. Neue Medikamente hemmen die Tyrosinkinase und damit die Vermehrung der leukämischen Zellen. Die Einnahme muss täglich und dauerhaft erfolgen, da nur so eine Kontrolle der Krankheit möglich ist. Studien werden u.a. von der deutschen CML-Studiengruppe durchgeführt. Die Therapie der CLL hängt vom Krankheitsbild ab. In einigen Fällen ist keine Chemotherapie erforderlich, der Verlauf wird lediglich engmaschig überwacht („watch and wait”). Bei aggressiverem Verlauf ist eine medikamentöse Behandlung nötig. Studien zur Therapieoptimierung werden z.B. von der deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG) durchgeführt.
Links
Ansprechpartner Dr. med. Monika E. Essink
Postanschrift medac Tel.: 04103 8006-0
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