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Chronisch entzündliche Darmerkrankungen Weiterführende Informationen:
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Krankheitsbilder Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden Hauptvertreter chronisch entzündlicher Darmkrankheiten. Sie sind gekennzeichnet durch einen schubweisen Verlauf. Das heißt, Krankheitsphasen mit entzündlicher Aktivität und entsprechenden Beschwerden wechseln sich ab mit beschwerdefreien Intervallen (= Remission). Ihre Entstehung ist bis dato unklar, eine Heilung durch medikamentöse Maßnahmen nach dem momentanen Kenntnisstand nicht möglich. Beim Morbus Crohn können sämtliche Abschnitte des Magen-Darm-Traktes einschließlich der Mundschleimhaut betroffen sein. Die Entzündung kann auf alle Wandschichten der befallenen Darmabschnitte übergreifen. Die Ausbreitung ist ungleichmäßig, gesunde und entzündete Abschnitte wechseln sich ab. Darüber hinaus besteht eine Tendenz zu Gangbildungen in benachbartes Gewebe (Fisteln) und Eitereinschlüssen (Abszessen). Im Gegensatz dazu sind die entzündlichen Veränderungen bei der Colitis ulcerosa auf die Dickdarmschleimhaut beschränkt und breiten sich gleichförmig vom Mastdarm unterschiedlich weit mundwärts im Dickdarm aus. Typische klinische Beschwerden sind Durchfälle, Bauchschmerzen sowie klinische Zeichen eines Darmverschlusses und/oder der Abgang von Blut und Schleim. Darüber hinaus können Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten. Die Leistungsfähigkeit ist im Schub vielfach deutlich herabgesetzt. Bei beiden Erkrankungen kommt es in etwa bei der Hälfte der Patienten auch zu Veränderungen außerhalb des Verdauungstraktes. Hiervon sind insbesondere Gelenke, Haut, Augen sowie Leber und Gallenwege betroffen.
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Häufigkeit - Inzidenz Für Deutschland wird die jährliche Neuerkrankungsrate (Inzidenz) an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa jeweils mit etwa 5 pro 100.000 Einwohner angegeben. Das bedeutet, dass in Deutschland mehr als 300.000 Menschen an chronisch entzündlichen Darmkrankheiten leiden. Bezüglich der Geschlechterverteilung liegt eine geringfügige Häufung von Morbus Crohn bei Frauen vor, während bei Colitis ulcerosa Männer etwas häufiger betroffen zu sein scheinen. Die höchste altersspezifische Inzidenz des Morbus Crohn liegt bei den 15- bis 24-Jährigen, bei der Colitis ulcerosa etwa 5–10 Jahre später.
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Entstehung – Pathogenese Bis heute ist die genaue Krankheitsursache der chronisch entzündlichen Darmkrankheiten unklar. Es gilt aber als gesichert, dass die Entzündungen durch ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen bedingt sind. Eine maßgebliche Rolle nimmt dabei die Vererbung ein. Zwar handelt es sich bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn nicht um typische Erbkrankheiten, doch scheinen verschiedene Gene die Grundlage für eine gewisse Krankheitsbereitschaft zu sein, auf deren Boden weitere Ursachen wirksam werden. Das können zum Beispiel Infektionen sein, besondere Ernährungsgewohnheiten und/oder Störungen in der Immunabwehr mit einer zum Teil übersteigerten Reaktion des Abwehrsystems. Umstritten ist die Rolle psychischer Faktoren. Die derzeitige Lehrmeinung geht davon aus, dass die Psyche nicht für die Krankheitsentstehung verantwortlich ist. Dennoch können vermutlich psychische Belastungen einen akuten Krankheitsschub auslösen oder diesen verstärken.
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Krankheitsverlauf Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch wiederkehrende Erkrankungen, bei der sowohl akute Schübe mit hoher Krankheitsaktivität unterbrochen von unterschiedlich langen Intervallen relativer Gesundheit als auch Phasen mit ständiger Aktivität der Darmentzündung auftreten können. Der individuelle Verlauf der Erkrankung ist bislang nicht voraussagbar. Psychische und soziale Faktoren können den Krankheitsverlauf jedoch individuell wesentlich beeinflussen.
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Diagnose Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind klinische Diagnosen, die durch objektive Befunde aus radiologischen, endoskopischen und histologischen Untersuchungen ergänzt werden. In einigen Fällen muss man die Diagnostik im Verlauf der Erkrankung wiederholen. Eine einzige Untersuchung zum Nachweis der beiden Erkrankungen existiert nicht. Darum ist es wichtig, bei der Diagnosestellung andere entzündliche, toxische, gefäß- oder erregerbedingte Ursachen einer Dünn- und/oder Dickdarmentzündung sowie das Vorliegen eines Darmkrebses auszuschließen.
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Therapieziele Ziel der Behandlung ist es, eine Linderung der Beschwerden zu erwirken, die Entzündungsaktivität zu dämpfen und für ein langes, beschwerdefreies Intervall zu sorgen. Dabei richtet sich d ie Therapie grundsätzlich nach dem Schweregrad, dem Ausbreitungsmuster der Erkrankung, dem Ansprechen auf vorangegangene Therapien sowie der individuellen Patientensituation.
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Therapiemöglichkeiten Für die Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen werden in erster Linie Medikamente eingesetzt. Diese werden im Folgenden kurz dargestellt.
Aminosalicylate Mesalazin und Sulfasalazin dienen der Entzündungshemmung vor Ort im Darm und werden demnach bei Schüben mit geringer bis mäßiger Aktivität verwendet. Mesalazin gibt es in Form von Tabletten, Granulat, Einläufen, Schäumen oder Zäpfchen, die in Abhängigkeit vom Ort der Entzündung angewendet werden. Der Wirkungseintritt kann innerhalb von 2–4 Wochen erwartet werden.
Glukokortikoid-Präparate Aufgrund ihrer vielfältigen Wirkungen auf die Abwehr- und Entzündungsreaktion üben sie eine starke Entzündungshemmung aus und stellen somit einen unverzichtbaren Bestandteil für die Therapie in akuten Situationen dar. Eine Besserung tritt meist innerhalb von Tagen ein. Glukokortikoide werden bei Schüben mit mäßiger bis schwerer Aktivität eingesetzt.
Immunsuppressiva Immunsuppressiva wie Azathioprin, 6-Mercaptopurin oder Methotrexat unterdrücken effektiv das körpereigene Abwehrsystem. Sie kommen zum Einsatz, wenn Glukokortikoide nicht ausreichend wirken oder nicht abgesetzt werden können. Kann eine durch Glukokortikoide erfolgreich herbeigeführte Remission nicht aufrechterhalten werden oder kommt es in kurzen Zeitabständen zu erneuten Schüben, sollten Immunsuppressiva ebenfalls angewendet werden. Auch stellen sie eine Behandlungsmöglichkeit bei Fisteln dar, wenn eine Behandlung mit Antibiotika (s. u.) nicht ausreichend wirksam ist. Azathioprin wird üblicherweise als Tablette eingenommen. Da Azathioprin im Körper erst in seine aktive Form 6-Mercaptopurin umgewandelt wird, stellt die Behandlung mit 6-Mercaptopurin eine Alternative zu Azathioprin dar. Da der Wirkeintritt von Azathioprin und 6-Mercaptopurin verzögert eintritt, d. h. nach mehreren Wochen bis teilweise Monaten, wird die Behandlung mit diesen Immunsuppressiva zu Beginn häufig mit Glukokortikoiden kombiniert. Methotrexat stellt eine Alternative zu Azathioprin und 6-Mercaptopurin dar. Es wird wöchentlich vorzugsweise in Form einer Bauch- oder Oberschenkelspritze verabreicht. Ein Wirkungseintritt ist nach 4 bis 8 Wochen zu erwarten.
TNF-alpha Blocker Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNFα)-Blocker werden angewendet, wenn die Therapie mit einem Glukokortikoid und/oder einem Immunsuppressivum nicht ausreichend wirkt. Desweiteren kommen sie für die Therapie von Fisteln in Frage, wenn Antibiotika (s. u.) eine immunsuppressive Therapie oder eine operative Drainage nicht angesprochen haben. Der Wirkungseintritt kann zumeist innerhalb von Tagen erwartet werden. Die Anwendung erfolgt entweder als Infusion über eine Armvene oder als Bauch- oder Oberschenkelspritze.
Antibiotika Antibiotika, die die Wirkstoffe Metronidazol und Ciprofloxazin enthalten, werden bei der Behandlung von Fisteln und in Einzelfällen auch zur Schubbehandlung angewendet. Sie führen häufig kurzfristig zu einer Verbesserung der Symptomatik. Nachteilig ist allerdings, dass nach Absetzen der Medikamente bei einem Großteil der Patienten eine Entzündung oder Fisteln erneut auftreten.
Spricht das Entzündungsgeschehen im Darm auf eine medikamentöse Behandlung nicht an oder liegen schwere Komplikationen vor, kann eine Operation zur Beseitigung der Beschwerden führen. Als operationsbedürftige Komplikationen sind beim Morbus Crohn Darmverengung, Eiteransammlungen oder bestimmte Fistelformen, bei der Colitis ulcerosa insbesondere Darmverengungen sowie Darmkrebs zu nennen. Notfälle, die umgehend zu einer Operation führen, kommen glücklicherweise selten vor. Dazu zählen Darmdurchbruch, schwerwiegendes Darmbluten, totaler Darmverschluss (Ileus) und die akute schwerste Entzündung, die medikamentös nicht in den Griff zu bekommen ist.
Eine spezielle Diät für chronisch entzündliche Darmerkrankungen gibt es nicht. Die Beschwerden bei akuter Entzündung können jedoch durch eine vorübergehende Ernährungsumstellung auf eine leicht verdauliche, ballaststoffarme Kost gelindert werden. Vielfach kommt es auch zu Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln. Bei längerem Krankheitsverlauf kann es zu Mangelernährung kommen. Hier ist dann eine ergänzende Ernährungstherapie sinnvoll. |
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