Sie befinden sich hier:  Patienteninformation Weitere Erkrankungen Diabetisches Fußsyndrom
Weitere Erkrankungen

Diabetisches Fußsyndrom

Weiterführende Informationen:

Diabetes mellitus und seine Folgen
Diabetisches Fußsyndrom
 
Was ist das diabetische Fußsyndrom
Häufigkeit
Entstehung
Risikofaktoren
Vorbeugen
Anzeichen
Behandlung
Literatur

 


Zurück zur Übersicht der weiteren Erkrankungen


Druckversion
.  

Diabetes mellitus und seine Folgen

Als Diabetes mellitus oder Zuckerkrankheit wird eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen bezeichnet, die allesamt zu erhöhten Blutzuckerwerten (Hyperglykämie) führen. Normalerweise bewirkt das in der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon Insulin eine Senkung des Blutzuckers, indem es den Transport des Zuckers aus dem Blut in die Körperzellen reguliert. Beim Diabetes mellitus ist dieser Vorgang gestört und es wird nicht genügend Zucker aus dem Blut abtransportiert. Anzeichen eines Diabetes sind z.B. ein starkes Durstgefühl, vermehrtes Wasserlassen oder unerklärbare Gewichtsabnahme. Eine akut auftretende Störung des Diabetes mellitus ist das diabetische Koma. Auf Dauer können die hohen Blutzuckerwerte aber auch verschiedene Organe des Diabetikers schädigen[3]. Folgende Auflistung zeigt die in Folge eines Diabetes mellitus möglichen Erkrankungen[1] .

 

Folgeerkrankungen des Typ-2-Diabetes (medizinische Fachausdrücke in Klammern)[1]:

  • Bluthochdruck (Hypertonus)

  • Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

  • Schlaganfall (Apoplexie)

  • Nierenschädigung (Nephropathie)

  • Nierenversagen (Niereninsuffizienz)

  • Erkrankung der Netzhaut des Auges (Retinopathie)

  • Erblindung

  • Nervenschädigung (Neuropathie)

  • Durchblutungsstörung der Extremitäten (periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK))

  • Diabetischer Fuß (= diabetisches Fußsyndrom, abgekürzt DFS)

 

 

Seitenanfang
.  

Diabetisches Fußsyndrom

Was ist das diabetische Fußsyndrom?

Das diabetische Fußsyndrom ist eine der Hauptkomplikationen für Patienten mit Diabetes mellitus[1] . Unter dem Begriff des diabetischen Fußsyndroms (DFS) oder diabetischer Fuß werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, die unterschiedliche Ursachen und Krankheitsverläufe haben. Allen gemeinsam ist, dass Verletzungen am Fuß des Diabetikers zu Komplikationen führen können, die bei verzögerter oder ineffektiver Behandlung die Amputation der gesamten Extremität zur Folge haben können[ 3]. Ungefähr jeder 10. Patient mit einem diabetischen Fußsyndrom muss damit rechnen, amputiert zu werden[6]. 2003 erlitten fast 42.000 Diabetiker in Deutschland dieses Schicksal[2]. Diabetiker haben unverändert ein bis zu 50-fach erhöhtes Amputationsrisiko im Vergleich zu Nichtdiabetikern[1].Vorrangiges Ziel bei der Behandlung des Diabetischen Fußes muss daher die Vermeidung einer Amputation sein.

 

 

Seitenanfang
.  

Häufigkeit[2]

Diabetiker in Deutschland ca. 6,7 Millionen
   
Diabetiker mit Fußverletzungen ca. 250 000
   
Diabetiker mit erhöhtem Risiko eine Fußverletzung zu erleiden   ca. 1 Million
   
Amputationen bei Diabetikern jährlich ca. 42 000

 

 

Seitenanfang

.

 

Entstehung

Vielfach sind kleinere Schädigungen Auslöser der Fußverletzung: Druckbelastung, falsches und zu enges Schuhwerk, eingewachsene Zehennägel und Entzündungen am Fuß begünstigen bakterielle Infektionen und den raschen Gewebsuntergang[1] . Dabei beeinflussen zwei Faktoren maßgeblich die Entstehung des diabetischen Fußsyndroms: eine Schädigung der Nerven (Neuropathie) führt zu einer schlechteren Wahrnehmung von krankhaften Veränderungen am Fuß und Durchblutungsstörungen (Angiopathie) erhöhen die Anfälligkeit der Füße für Verletzungen[7] .

Schädigung der Nerven (Neuropathie)
Nervenschädigungen sind die Folge eines chronisch zu hohen Blutzuckers der Patienten[1].
Die Nervenstörungen können folgende Auswirkungen haben: verminderte Schweißsekretion; überschießende Hornhautbildung; unterschiedliche und verminderte Nervenversorgung von Fußmuskeln, die zur Krallenzehenbildung führt; verminderte Schmerzwahrnehmung[7].

Durchblutungsstörung (Angiopathie)
Deutlich erhöht ist das Amputationsrisiko bei Durchblutungsstörungen der Beinarterien. Gefäßverschlüsse oder -einengungen treten bei Diabetikern bis zu 5-mal häufiger und etwa 10 Jahre früher als bei Nichtdiabetikern auf[1]. Aufgrund dieser Gefäßverengungen wird das angrenzende Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die von der Durchblutungsstörung betroffenen Körperteile sind anfällig für Verletzungen, die aufgrund der Mangelversorgung schlecht heilen[7] . Alleinige Durchblutungsstörungen – ohne Nervenschädigung – treten bei 10 bis 20 Prozent der Patienten mit diabetischem Fuß auf[1]. Die Durchblutungsstörungen können so stark sein, dass unter Belastung wie z.B. Gehen Schmerzen auftreten. Sind die Durchblutungsstörungen stärker fortgeschritten, können Schmerzen auch im Ruhezustand auftreten.

Kombination von Nerven- und Durchblutungsstörung
Bei 20 bis 30 Prozent der Diabetiker treten Nervenschäden und Durchblutungsstörungen gleichzeitig auf (neuropathisch-ischämisches Fußsyndrom). Diese Form ist besonders gefährlich, weil aufgrund der Nervenstörung die Betroffenen Schmerzen nicht mehr wahrnehmen, die z.B. durch verminderte Durchblutung oder Verletzungen am Fuß entstehen. Sie kommen daher oft zu spät zur Behandlung und die Heilungschancen verschlechtern sich dramatisch, so dass das Risiko für eine Amputation steigt[1].

 

 

Seitenanfang
.  

Risikofaktoren für die Entwicklung eines diabetischen Fußsyndroms

Hauptrisikofaktoren für Geschwüre und schließlich Beinamputationen sind[3]

  • Dauer und Verlauf des Diabetes

  • Grad der Blutzuckererhöhung; schlechte Stoffwechseleinstellung

  • Nervenschädigung

  • arterielle Verschlusskrankheit und deren Folgeerkrankungen (z.B. Niereninsuffizienz, Schlaganfall)

  • Alter des Patienten

 

 

Weitere Risikofaktoren für das Entstehen von Fußverletzungen sind (Aufzählung beispielhaft)[3]

  • Adipositas (= Fettleibigkeit) Grad 2 (Grad 2 bedeutet, der BodyMass Index (BMI) ist größer oder gleich 35; der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht[kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße[m 2])

  • Gelenkerkrankungen (z.B. Hüfte/Knie) oder Gelenkimplantat mit Funktionsbeeinträchtigung

  • Barfuss laufen

  • eingeschränkte Gelenkmobilität, z. B. Fußdeformitäten

  • (erhebliche) Einschränkung der Sehschärfe

  • Hornhautschwielen

  • Unterdrückung der körpereigenen Abwehr mit Medikamenten einschließlich Glukokortikoide

  • mangelnde/falsche Fußpflege

  • motorische Funktionseinschränkung/Lähmung eines oder beider Beine

  • psychosoziale Faktoren

  • Seheinschränkungen

  • Suchtkrankheiten (z. B. Rauchen, Alkoholismus)

  • ungeeignetes Schuhwerk

  • vorangegangene Amputationen

 

Seitenanfang

 

.  

Wie kann man dem diabetischen Fußsyndrom vorbeugen?

Die häufigste Ursache für das Auftreten von Fußverletzungen sind zu enge Schuhe. Allgemein sollte man alle Schuhe meiden, die lokalen Druck auf den Fuß ausüben. So sind z.B. Schuhe mit hartem Korkfußbett, mit Riemen oder harte Fußeinlagen ungeeignet. Bei Bettlägerigkeit können sich durch das lange Liegen Druckstellen an den Fersen bilden und eine Gewebeschädigung verursachen[6].

Durch rechtzeitiges Handeln können viele Amputationen vermieden werden. Dazu zählen in erster Linie die regelmäßige Untersuchung der Füße der Diabetiker alle drei Monate und die Schulung und Information von Risikopatienten. Bei der Untersuchung ist auf Hautbeschaffenheit, Knochendeformierungen, Bewegungsverlust, Zeichen der Nervenschädigung (Stimmgabeltest) und der Durchblutungsstörung (Tasten der Fußpulse), Entzündungen, Verletzungen und passendes Schuhwerk zu achten[1].

Folgende Maßnahmen dienen der Vorbeugung möglicher diabetischer Fußkomplikationen[3]

  • tägliche Reinigung mit lauwarmem Wasser

  • Einreiben mit Feuchtigkeitscreme

  • sachgerechte stumpfe Nagelpflege

  • Beseitigung von Schwielen

  • Versorgung mit geeignetem Schuhwerk

  • regelmäßige Untersuchungen

 

 

Seitenanfang

 

.  

Was sind Anzeichen für ein diabetisches Fußsyndrom? [4]

  • Brennen, Kribbeln in den Zehen und den Füßen

  • Schmerz bei ruhenden Füßen, vor allem nachts

  • Taubheitsgefühl

  • Fußrückenschwellung

  • Krallenzehen

  • Hornhautschwielen

  • Gangstörungen

 

 

Seitenanfang

 

.  

Wie wird das Diabetische Fußsyndrom behandelt?

Beim Auftreten von Verletzungen am Fuß muss umgehend eine sachgerechte Diagnose und Behandlung in einer diabetologischen Fußambulanz erfolgen. Die wichtigste Maßnahme bei der Diagnose ist der Nachweis, ob eine Durchblutungsstörung beim diabetischen Fußsyndrom beteiligt ist, da ohne eine Verbesserung der Durchblutung die Wunde in der Regel nicht abheilen wird[7].

Nach der Abklärung, ob Nerven- und/oder Durchblutungsstörungen am DFS beteiligt sind, wird die entsprechende Behandlung eingeleitet.

Therapie des DFS mit einer Schädigung der Nerven (Neuropathie)
Die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms mit Beteiligung einer Neuropathie besteht in der Entfernung von abgestorbenem, infiziertem und schlecht heilendem Gewebe und der Gabe von Antibiotika, falls eine Infektion vorliegt. Sehr wichtig ist es, den betroffenen Fuß durch spezielles Schuhwerk, Bettruhe, Gehstützen oder einen Rollstuhl vom Druck zu entlasten[7] , so dass die Wunden abheilen können und keine neuen Druckstellen entstehen. Mit Hilfe dieser Therapiemaßnahmen heilt die Wunde in den allermeisten Fällen komplett ab[1].

Therapie des DFS mit einer Durchblutungsstörung (Angiopathie)
Ist eine Durchblutungsstörung beim DFS beteiligt, dann ist die Verbesserung der arteriellen Durchblutung unerlässlich, ohne die die Fußverletzung in der Regel nicht abheilen wird[7]. Zur Behandlung von Gefäßverengungen stehen folgende Methoden zur Verfügung: interventionell durch Aufdehnung des Gefäßes mit Hilfe eines Ballonkatheters, operativ durch Legen eines Bypasses oder konservativ durch Medikamente. Zu den konservativen Maßnahmen gehören auch eine gesunde Lebensweise (z.B. gesunde Ernährung, mehr Bewegung), Vermeidung von Risikofaktoren (z.B. Rauchen) und die optimale Einstellung von Blutzucker, Blutfettwerten sowie des Blutdrucks.

Mehr über „Behandlungsmöglichkeiten von peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen”

 

Übersicht der möglichen Behandlungsmaßnahmen beim Diabetischen Fußsyndrom

  • Amputation einzelner oder mehrerer Zehen soweit erforderlich

  • adäquate Schuhversorgung zur Druckumverteilung

  • Lokale Wundbehandlung

 

 

Seitenanfang

 

.  

Literatur

 

  1. Deutsche Diabetes Union. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2008. Vorgelegt von der Deutschen Diabetes-Union und dem Nationalen Aktionsforum Diabetes mellitus (NAFDM) zum Weltdiabetestag November 2007. Erhältlich unter: www.diabetesstiftung.de/studien.html

  2. *InEK Daten 2003: InEK GmbH:Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus

  3. Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes Fußkomplikationen Mai 2007

  4. Rietzsch, Diagnostik und Therapie des diabetischen Fußsyndroms, Diabetes aktuell 2008; 6 (6): 263-266

  5. Morbach et al., Evidenzbasierte Diabetes-Leitlinie: Diagnostik, Therapie, Verlaufskontrolle und Prävention des diabetischen Fußsyndroms (Deutsche Diabetes Gesellschaft 2008)

  6. Reike, Diabetisches Fuß-Syndrom, de Gruyter 1999

  7. Lederle et al. Praxisleitfaden Heft 1 (2008) Das diabetische Fußsyndrom, Kirchheim- Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seitenanfang

 

  produziert von:
  SCHATZ netzseitenmacher