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Fachbereich Diagnostik

Chlamydiendiagnostik

Chlamydienserologie


Chlamydien sind gramnegative, obligat intrazelluläre Bakterien. Bisher sind drei humanpathogene Arten bekannt: Chlamydia trachomatis, Chlamydia pneumoniae und Chlamydia psittaci.


Die Chlamydien besiedeln die Schleimhäute des Auges und des Urogenitaltrakts (C. trachomatis) sowie des Respirationstrakts (C. pneumoniae, C. psittaci). C. pneumoniae wird darüber hinaus in Monozyten/Makrophagen sowie Endothel- und glatten Muskelzellen der Blutgefäße gefunden. Auch in der Synovia von Gelenken sind vitale Erreger sowohl von C. trachomatis als auch von C. pneumoniae nachweisbar.


Chlamydieninfektionen sind weltweit verbreitet. Nach Schätzungen der WHO lag die Inzidenz von C. trachomatis-Infektionen im Jahr 1999 bei 92 Millionen. Die höchste Prävalenz von C. trachomatis-Infektionen ist mit dem sexuell aktivsten Lebensalter korreliert. Zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr liegt die Erregerprävalenz, bezogen auf Deutschland, in beiden Geschlechtern zwischen 10 und 15%. Die Primärinfektion mit C. pneumoniae beginnt bereits im Vorschulalter. Da eine dauerhafte Immunität nach einer Chlamydieninfektion nicht besteht, kommt es im Laufe des Lebens zu zahlreichen Reinfektionen. Bei mehr als 50% der Erwachsenen lassen sich im Serum IgG-Antikörper gegen C.pneumoniae nachweisen, bei steigender Tendenz mit zunehmendem Alter.


Chlamydieninfektionen verlaufen überwiegend asymptomatisch, so dass sie häufig nicht erkannt werden. Außerdem werden diagnostizierte Erkrankungen oft nur inadäquat behandelt. Als Folge davon entwickeln sich chronische Krankheitsverläufe mit schwerwiegenden Spätfolgen, die in ihrer klinischen Manifestation kaum noch an die Primärinfektion erinnern.


C. trachomatis gilt als häufigster sexuell übertragener Erreger in unseren Breiten.


Bei der Frau beginnt die Infektion mit einer Zervizitis und/oder Urethritis. Die Erreger steigen meist bis in die Eileiter auf. Von hier gelangen sie auch in den Bauchraum. Zu den zahlreichen klinischen Manifestationen einer C. trachomatis-Infektion der Adnexe und angrenzender Regionen gehören: Endometritis, Salpingitis, Adnexitis, Tubenfaktorinfertilität, ektope Schwangerschaft, Periappendizitis, Perihepatitis, Perisplenitis. Darüber hinaus werden negative Auswirkungen einer C. trachomatis-Infektion auf Nidation mit Frühabortgeschehen sowie die Entstehung eines Zervixkarzinoms diskutiert.


Erreger, die durch Schmierinfektion ins Auge gelangen, führen in einigen Fällen zu einer Konjunktivitis. Neugeborene können sich unter der Geburt infiziert haben. Diese Infektion manifestiert sich häufig in einer Neugeborenenkonjunktivitis oder –pneumonie.


Beim Mann beginnt die C. trachomatis-Infektion mit einer Urethritis. Aszendierte Chlamydien führen zu abakterieller Prostatitis, chronischer Epididymitis und in schweren Fällen nach wiederholten Infektionen zu obstruktiver Azoospermie.


Als systemische Erkrankung entwickelt sich geschlechtsunabhängig in 1-3% der Fälle erst Wochen nach der Primärinfektion eine Chlamydien-induzierte Arthritis (CIA). Nach neuesten Erkenntnissen kann eine CIA, die zu den reaktiven Arthritiden gehört, sowohl durch C. trachomatis als auch C. pneumoniae bedingt sein.


C. pneumoniae ruft primär Atemwegsinfektionen hervor. Die Symptomatik ist nur schwach oder diffus ausgeprägt. Nach Erkrankungen der Atemwege, die nicht erkannt und behandelt wurden, schließen sich häufig langwierige und schwerwiegende extrapulmonale Erkrankungen an. Zum Krankheitsbild einer C. pneumoniae-Infektion gehören: atypische Pneumonie, Sinusitis, Pharyngitis, Bronchitis, chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen und reaktive Arthritis. Eine ursächliche Beteiligung an infektionsbedigtem Asthma, Sarkoidose, Atherosklerose, akutem Myokardinfarkt, Schlaganfall, multipler Sklerose und dem Alzheimer Syndrom wird aktuell diskutiert.


Die beste Chance, chronische Krankheitsverläufe mit unter Umständen schwerwiegenden Folgeerkrankungen zu vermeiden, liegt in einer frühzeitigen effizienten Diagnostik.


In der Chlamydiendiagnostik ergänzen sich Antigen- und Antikörpernachweis. Bei peripheren urogenitalen Infektionen besitzt der Antigennachweis Priorität. Sind die Erreger bereits aszendiert, erweist sich die Serologie als wertvolle diagnostische Maßnahme. Bei respiratorischen Infektionen ist die Serologie die Methode der Wahl.


medac bietet eine komplette Palette serologischer Chlamydiennachweise als automatengängige ELISA-Technik an.


Mit unserem genusspezifischen Chlamydien-rELISA werden IgG-, IgA- und IgM-Antikörper gegen alle Chlamydienarten erfasst. Der rELISA zeichnet sich durch ein gentechnisch hergestelltes Antigen aus, das aus einem chemisch definierten, chlamydienspezifischen Fragment des Lipopolysaccharids (LPS) besteht.


Für die speziesspezifische Chlamydienserologie bietet medac die C. trachomatis-IgA- und IgG-pELISA sowie die C. pneumoniae-IgG-, IgA- und IgM-sELISA an.


Als Antigen im C. trachomatis-pELISA dient ein synthetischen Peptid aus der variablen Domäne IV des major outer membrane proteins (MOMP). Der C. trachomatis-IgA-pELISA ist sowohl für die Anwendung im Serum als auch im Seminalplasma validiert und zugelassen.


Der C. pneumoniae-sELISA arbeitet mit einem natürlichen, hochaufgereinigten Antigen, aus dem das LPS eliminiert wurde. Der Nachweis von Antikörpern gegen C. pneumoniae wird zur Differentialdiagnostik bei Infektionen des Respirationstrakts und späteren Folgeerkrankungen eingesetzt. Die Unterscheidung von bestehenden und zurückliegenden Infektionen erweist sich jedoch auf Grund der hohen Antikörperprävalenz in der gesunden Bevölkerung als schwierig. medac hat ein Schema für die Bewertung der Ergebnisse im sELISA erarbeitet, das hinsichtlich der Antikörperklassen IgG und IgM den Kriterien des Mikroimmunfluoreszenztests nach Grayston entspricht. Die Anwendung dieses Bewertungsschemas erlaubt es, zwischen gesunden Probandengruppen, Patienten mit zurückliegender Infektion und solchen mit akuter Erkrankung plausibel zu differenzieren.


Auf dem Weg zu einer besseren diagnostischen Aussage der serologischen Ergebnisse, hat medac eine neue Testgeneration, die plus-ELISA, entwickelt:


Chlamydia pneumoniae-IgG-ELISA plus medac
Chlamydia pneumoniae-IgA-ELISA plus medac
Chlamydia trachomatis-IgG-ELISA plus medac
Chlamydia trachomatis-IgA-ELISA plus medac


Diese Teste verfügen über eine Einpunktquantifizierung zur Auswertung der Ergebnisse. Das Mitführen einer Standardkurve ist bei dieser Methode überflüssig. Testschwankungen werden über einen Kalibrator ausgeglichen. Mit Hilfe der quantitativen Auswertung wird eine deutliche Verbesserung des Antikörpermonitorings zum Feststellen von Krankheitsverläufen und Therapiererfolgen erreicht.
Die ELISA-plus-Teste sind sehr stabil. Sie liefern bei manueller und automatisierter Durchführung gut übereinstimmende Ergebnisse.
Mit dieser neuen ELISA-plus-Generation bietet medac seinen Kunden ein mehrfaches „Plus„ an Qualität und Fortschritt. Es ist gelungen, einheitliche Teste sowohl für die Chlamydia pneumoniae- als auch für die  Chlamydia trachomatis-Serologie zu entwickeln, deren Einpunktquantifizierung "State of the Art" in der Chlamydiendiagnostik darstellt.


Die C. trachomatis-Serologie hat medac durch den ELISA zum Nachweis von Antikörpern gegen das chlamydiale 60KDa-Heat Shock Protein (cHSP60) erweitert (erweiterte C. trachomatis-Serologie). Im cHSP60-IgG-ELISAmedac wird rekombinantes C. trachomatis-HSP60 als Antigen eingesetzt.


Heat Shock Proteine sind hochkonservierte Proteine, die sowohl bei Prokaryonten als auch bei Eukaryonten exprimiert werden. Die Heat Shock Proteine sind für den Zellstoffwechsel essentiell. Sie sind u. a. verantwortlich für die reguläre Faltung der Proteine.


Unter Streßbedingungen physiologischer, physikalischer oder chemischer Art kommt es zur Überexpression von HSP. Von den Heat Shock Proteinen ist das HSP60 das bekannteste.


Eine Infektion mit Chlamydien stellt sowohl für den Erreger als auch für die Wirtszelle eine enorme Streßsituation dar. So wird zeitlich versetzt sowohl chlamydiales HSP60 als auch humanes HSP60 verstärkt exprimiert. Die Immunabwehr richtet sich zunächst gegen das chlamydiale HSP. Auf Grund vorhandener Homologie zwischen stark konservierten Epitopen des chlamydialen und humanen HSP60 kann es zu Kreuzreaktionen kommen. Hierin besteht eine Ursache für die Entwicklung von Autoimmunreaktionen bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen und still persistierenden Infektionen.


Eine ausgeprägte Immunantwort gegen das chlamydiale HSP60 bis hin zur Autoimmunreaktion wird mit der Genese zahlreicher klinischer Manifestationen in Zusammenhang gebracht: Tubenfaktorinfertilität, eingeschränkte Nidation, Spontanaborte während der Frühschwangerschaft, ektope Schwangerschaft, reaktive Arthritis.


Ergebnisse verschiedener Studien fallen jedoch sehr unterschiedlich aus und sind zum Teil nicht reproduzierbar. Als wichtige Ursache dafür wird das Fehlen einheitlicher Testsysteme angesehen.


Der cHSP60-IgG-ELISA medac bietet eine gute Basis für präzise und damit vergleichbare Studienergebnisse, eine unabdingbare Voraussetzung für die künftige Routinediagnostik.


 



 



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