Rheumatoide Arthritis

Was ist die rheumatische Gelenkentzündung – die sogenannte rheumatoide Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis - kurz RA -  ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung.

Gut ein Prozent der Bevölkerung sind hiervon betroffen. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Obwohl bei Erwachsenen erste Symptome meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auftreten, kann die rheumatoide Arthritis in jedem Alter entstehen. Auch Jugendliche, Kinder und Säuglinge können betroffen sein. Schätzungsweise leiden etwa 15.000 Jugendliche und Kinder bis 18 Jahren an einer juvenilen idiopathischen Arthritis – kurz JIA.

Die rheumatoide Arthritis gehört zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen. Autoimmunerkrankungen sind durch ein teilweise fehlgesteuertes Immunsystem unseres Körpers gekennzeichnet: Normalerweise kann das Immunsystem exakt zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen bzw. Zellgeweben unterscheiden. Fremdkörper, wie z.B. Viren und Bakterien, werden vom Immunsystem erkannt und attackiert, ohne dass dabei körpereigenes Gewebe zu Schaden kommt. Bei Patienten mit einer Autoimmunerkrankung dagegen werden körpereigene Zellen bzw. Gewebe irrtümlich als körperfremd erkannt und bekämpft.

Bei der rheumatoiden Arthritis sind das fälschlicherweise als körperfremd erkannte Gewebe die Gelenkinnenhäute (siehe Bild 1). Sie kleiden jedes Gelenk aus und schützen den Gelenkknorpel vor Abnutzung durch Bildung eines zähflüssigen Schleims, der sogenannten Gelenkschmiere. Durch die irrtümlichen Immunreaktionen wird eine Entzündung an den Gelenkinnenhäuten ausgelöst. Diese beginnen zu wuchern und zerstören den umliegenden Knorpel, der seine vorgesehene Aufgabe, als Stoßdämpfer den Knochen vor Abreibung zu schützen, nicht mehr wahrnehmen kann. Es entwickelt sich ein knospenartiges Gebilde, das in den Gelenkspalt vordringt und sich auf der Knorpeloberfläche ausbreitet (Bild 2).

Im weiteren Verlauf der Erkrankung können diese Wucherungen auch den Knochen angreifen und an seinen Enden zerstören. Das kann einen Funktionsverlust des Gelenkes bedeuten, der mit starken Schmerzen einhergeht.

Der typische Verlauf der rheumatoiden Arthritis beginnt schleichend. Erste Krankheitssymptome können sein:

  • allgemeines Krankheitsgefühl (Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schwäche, Gewichtsverlust)
  • nächtliche Schweißausbrüche
  • Überwärmung an den Gelenken
  • Gelenksteife am Morgen nach dem Aufwachen
  • Gelenkschwellungen
  • Gelenkschmerzen

Sehr oft verläuft die Erkrankung in Schüben. Hierbei wechseln sich symptomfreie Phasen mit solchen starker Beschwerden ab. In der Regel verläuft die Erkrankung chronisch.

Charakteristisch ist auch der Befall mehrerer Gelenke. Generell können alle Gelenke betroffen sein, anfangs konzentrieren sich die Symptome meist auf die Hand- und Fußgelenke.

Typischerweise treten die Beschwerden synchron der Körperachse auf, z.B. sind an der rechten und linken Hand die gleichen Gelenke betroffen.

Die Symptome müssen sich nicht ausschließlich auf die Gelenke beschränken. Es können auch Sehnenscheiden und Schleimbeutel entzündet oder Gefäße, Augen und innere Organe beteiligt sein.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung der rheumatoiden Arthritis?

Wie es genau zu den Entzündungsvorgängen in der Gelenkkapsel kommt, ist nicht abschließend geklärt. Es gibt Risikofaktoren, die die Entstehung von entzündlichem Rheuma begünstigen können. Dazu gehören eine familiäre Veranlagung, das Alter, Rauchen sowie Infektionskrankheiten. Wichtig ist es in jedem Fall, frühe Krankheitszeichen ernst zu nehmen und rechtzeitig einen Hausarzt oder Internisten bzw. Rheumatologen aufzusuchen.

Wie wird die Diagnostik bei der rheumatoiden Arthritis durchgeführt?

Für die Diagnosestellung beurteilt der Facharzt (Rheumatologe) zunächst die Symptome und überprüft die Beweglichkeit der Gelenke. Hierbei sind die Schmerzen und die Schwellungen der Gelenke ein Hinweis. Die Dauer einer eventuellen Morgensteife der Gelenke ist dabei genauso wichtig wie weitere Beschwerden.

Folgende weitere Diagnoseverfahren stehen zur Verfügung:

  • Blutuntersuchungen im Labor
  • Röntgenaufnahmen der betroffenen Gelenke
  • Ultraschalluntersuchung

Erst aus dem Gesamtbild wird der Rheumatologe die Diagnose ableiten. Weitere bildgebende Verfahren, wie eine Kernspintomografie werden nur in besonderen Fällen eingesetzt. Nur eine möglichst frühzeitig gestellte Diagnose gibt dem Rheumatologen die Möglichkeit, eine maßgeschneiderte, effektive Therapie für den RA-Patienten einzuleiten.

Wie wird die rheumatoide Arthritis behandelt?

Je früher eine wirkungsvolle Therapie beginnt, desto größer ist die Chance, den Entzündungsprozess positiv zu beeinflussen und die Zerstörung der Gelenke aufzuhalten.

Mit den heute zur Verfügung stehenden Therapien ist es nicht möglich, die rheumatoide Arthritis zu heilen.

Die fortschreitende Zerstörung der Gelenke kann jedoch durch die passende Behandlung verhindert und somit meist der Erhalt der Gelenkfunktionen gesichert werden.

Die Verbesserung der Lebensqualität für den Patienten gehört zu den übergeordneten Zielen der Behandlung. Hier ist eine wirksame Linderung der Gelenkschmerzen entscheidend.

Folgende Therapieverfahren stehen zur Verfügung:

  • Medikamentöse Therapie
  • Physikalische Therapie (Kälte- oder Wärmebehandlung, Bäder)
  • Krankengymnastik
  • Ergotherapie (Gelenkschutztraining)
  • Psychosoziale Betreuung
  • Patientenschulung
  • Evtl. chirurgische Eingriffe

Der Rheumatologe wählt aus den vorhandenen therapeutischen Möglichkeiten die geeigneten aus, um eine optimale Therapie anzubieten.

Unumgänglich ist dabei meist eine Behandlung mit Medikamenten: Nicht-sterodiale Antirheumatika (NSAR, z.B. Wirkstoff Diclofenac) und Kortikoide (z.B. Wirkstoff Prednisolon) wirken sehr schnell schmerzlindernd und kurzfristig entzündungshemmend. Sie beeinflussen jedoch nicht den eigentlichen Krankheitsverlauf.

Einen krankheitsbeeinflussenden Effekt haben nur die Disease Modifying Anti-Rheumatic Drugs – kurz DMARDs. Diese auch als Basistherapeutika bezeichneten Arzneimittel greifen direkt in das Krankheitsgeschehen ein und können den Krankheitsprozess bremsen, weshalb ein möglichst frühzeitiger Einsatz anzustreben ist.

Da es sich bei der rheumatoiden Arthritis um eine chronische Erkrankung handelt, sind die Basistherapeutika meist über entsprechend lange Zeiträume einzunehmen, bei guter Wirksamkeit und Verträglichkeit wird die Therapie oft lebenslang fortgesetzt. Zu den Basistherapeutika zählen z.B. die Wirkstoffe Methotrexat, Leflunomid, Sulfasalazin, Azathioprin und Antimalariamittel.

Methotrexat

Ein relativ rascher Wirkungseintritt nach 4 bis 8 Wochen, ein günstiges Verhältnis zwischen Wirkung und Nebenwirkung, auch in der Langzeitbehandlung, mögen Gründe dafür sein, dass Methotrexat weltweit häufig als Mittel der ersten Wahl in der Rheuma-Basistherapie eingesetzt wird.

Um beurteilen zu können, ob eine Methotrexat-Therapie die volle Wirkung zeigt, sollte die Behandlung mehrere Monate fortgeführt werden. Wirkt Methotrexat nicht ausreichend, wird der Rheumatologe die Dosis erhöhen oder die Therapie verändern.

Methotrexat hat seinen Ursprung in der Therapie verschiedener Tumore und wird dort erfolgreich eingesetzt. Im Gegensatz zur Chemotherapie bei Tumorerkrankungen wird in der RA-Therapie Methotrexat bis zu 1000-fach geringer dosiert, weshalb man bei der antirheumatischen Therapie auch von der „niedrig-dosierten Methotrexat-Therapie“ spricht. Diese niedrige Dosierung wirkt überwiegend entzündungshemmend. In der RA-Therapie liegt der Dosisbereich üblicherweise zwischen 7,5 und 30 mg pro Woche. Sehr wichtig ist, dass Methotrexat nur einmal pro Woche eingenommen wird. Die Applikation kann parenteral als Spritze oder oral als Tablette erfolgen. Aufgrund des schnelleren Wirkungseintritts, der besseren Bioverfügbarkeit und der geringeren gastrointestinalen Nebenwirkungen kann die parenterale Applikation meist Vorteile bieten.

Wurde eine Tabletteneinnahme vergessen oder eine Spritze versäumt, ist dies schnellstmöglich nachzuholen. Der Wochenturnus verschiebt sich dann entsprechend.

Leflunomid

Leflunomid gehört zu den Arzneimitteln, die als DMARD bezeichnet werden und den Verlauf der Erkrankung bremsen können. Leflunomid medac wird angewendet, um Erwachsene mit aktiver rheumatoider Arthritis zu behandeln. In klinischen Studien wurde gezeigt, dass Leflunomid die krankheitsbedingte Knochenzerstörung verlangsamt, die Entzündungsreaktionen mindert und die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert.

Die therapeutische Wirkung ist normalerweise nach 4 bis 6 Wochen zu erwarten, kann sich aber während der nachfolgenden 4 bis 6 Monate noch steigern.

Da die Abbauprodukte von Leflunomid sehr lange im Körper verweilen, darf die Einnahme nur nach strenger Indikation durch den Arzt erfolgen.