Juvenile idiopathische Arthritis

Was ist eine chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung bei Kindern und Jugendlichen – die sogenannte juvenile idiopathische Arthritis?

Juvenile idiopathische Arthritis - kurz JIA - ist ein Sammelbegriff für chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Es gibt verschiedene Erscheinungsformen, die sich in Anzahl und Muster der betroffenen Gelenke unterscheiden. Bei manchen Patienten sind anfangs nur wenige Gelenke entzündet. Oft sind die großen Gelenke, wie Kniegelenke und Sprunggelenke, betroffen (oligoarthritische Form der JIA, oligos von griech.: wenige). Im aktiven Krankheitsschub schmerzen die Gelenke, sind geschwollen und überwärmt und ihre Beweglichkeit ist deutlich eingeschränkt. Um die Gelenke zu entlasten, nehmen die Patienten typische Fehl- und Schonhaltungen ein. Die Leistungsfähigkeit der jungen Patienten ist herabgesetzt, sie wirken müde und abgeschlagen.

Bei der sogenannten Polyarthritis (poly von griech.: viele) ist die Anzahl der betroffenen Gelenke höher. Dabei sind meistens die  kleineren Gelenke wie Finger- und Handgelenke entzündet. Manchmal fallen hier bereits Veränderungen auf, wie man sie von anderen rheumatischen Erkrankungen her kennt. Einige Fehlstellungen der Finger ähneln denen der rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen.

Die eingeschränkte Fingerbeweglichkeit hat zur Folge, dass in bestimmten Phasen der kindlichen Entwicklung das Erlernen neuer Fertigkeiten deutlich erschwert ist. Dies zeigt sich z. B. beim Greifen von Gegenständen oder auch beim Schreiben.

Findet sich beim betroffenen Kind eine Entzündung an den Gelenken zusammen mit einer Schuppenflechte (Psoriasis) oder besteht eine Schuppenflechte bei einem erstgradig Verwandten, bezeichnet man diese Form als Psoriasis-Arthritis. Bei etwa der Hälfte der Patienten zeigt sich zuerst die Gelenkentzündung, bei der anderen Hälfte zuerst die Schuppenflechte.

Eine Enthesitis-assoziierte Arthritis liegt vor, wenn neben den Gelenken auch die Sehnenansätze entzündet sind (lat. Enthesitis). 70 bis 80 Prozent der Erkrankten sind Jungen. 

Die systemische Form der JIA unterscheidet sich grundsätzlich von den anderen Formen der JIA. Begleitend zum Gelenkbefall treten wiederkehrende Fieberschübe, typischerweise mit 1 bis 2 Fieberspitzen täglich, und Hautausschläge auf. Es kann zu Organbeteiligungen kommen.  

Bei einigen Patienten mit JIA entwickelt sich eine Entzündung der Regenbogenhaut des Auges. Sie tritt meist schleichend auf und macht sich durch Symptome wie Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und gerötete Augen bemerkbar.

An der juvenilen idiopathischen Arthritis sind in Deutschland etwa 15.000 Jugendliche im Alter bis zu 16 Jahren erkrankt, circa 750 bis 1.000 Kinder erkranken jährlich neu daran. Die juvenile idiopathische Arthritis ist damit die häufigste chronisch-entzündliche rheumatische Erkrankung im Kindesalter. Mehrheitlich sind Mädchen betroffen.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung einer juvenilen idiopathischen Arthritis?

Die Ursache der  juvenilen Arthritis ist in weiten Teilen noch unbekannt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der entscheidende Vorgang eine fehlgesteuerte Reaktion des Immunsystems ist. Dieser Abwehrapparat hat die Aufgabe, gefährliche Krankheitserreger, Fremd- und Schadstoffe zu erkennen und gezielt zu zerstören. Körpereigene Substanzen und umliegendes Gewebe werden von den Zellen des Immunsystems normalerweise erkannt und toleriert. Ist die Zell-Zell-Kommunikation jedoch gestört, entfaltet das Immunsystem seine zerstörerische Aktivität auch gegen körpereigenes Gewebe, was zu einer Entzündungsreaktion führt.

Welche Rolle spielt die Lebensweise bei einer juvenilen idiopathischen Arthritis?

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie empfiehlt eine ausgewogene Ernährung mit einem ausreichenden Angebot an Energieträgern, Vitaminen, Ballaststoffen und Spurenelementen. Eine einseitige Diät ist auf jeden Fall zu vermeiden. Die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen verzehren mehr Fleisch und Wurst und weniger Obst und Gemüse als empfohlen. In jedem Fall sollte auf eine altersgemäße Calciumzufuhr geachtet werden.

Es kann zu einem erheblichen Gewichtsverlust kommen. Eltern müssen auch darauf achten, dass das Kind nicht zu stark an Gewicht verliert.

Die jugendlichen Patienten sollten nicht zusätzlich belastet werden, die Familie sollte versuchen, das Leben so normal wie möglich fortzusetzen.

Wie wird die Diagnostik bei der juvenilen idiopathischen Arthritis durchgeführt?

Für die Diagnosestellung fragt der Arzt nach Art, Beginn und Verlauf der aktuellen Beschwerden. Hinweise auf auslösende Ereignisse und weitere Fälle einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung in der Familiengeschichte sind wichtig.

Jedes schmerzhafte Gelenk wird bei der gründlichen körperlichen Untersuchung beachtet. Auch auf Hautveränderungen und eine Beteiligung der Augen wird der Arzt achten.

Folgende Diagnoseverfahren stehen zur Verfügung:

  • Körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchung
  • Röntgenuntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung

Die Blutuntersuchung gibt Aufschluss über das aktuelle Entzündungsgeschehen. Die Blutwerte zeigen die Funktionsfähigkeit der inneren Organe und ermöglichen genauere Aussagen zum weiteren Krankheitsverlauf.

Zusätzlich setzt der Arzt bildgebende Verfahren ein, um mehr über den Zustand der entzündeten Gelenke zu erfahren und Schädigungen zu erkennen. Für diese Fragestellungen eignen sich Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen.

Sind die Patienten noch in einer frühkindlichen Entwicklungsphase oder jünger, ist die Diagnose einer juvenilen idiopathischen Arthritis manchmal nicht einfach. Erst ab einem bestimmten Alter können Kinder ihre Beschwerden selbst mitteilen und exakt beschreiben.

Die Symptome einer juvenilen idiopathischen Arthritis ähneln im Anfangsstadium denen anderer rheumatischer Erkrankungen. Ein Facharzt für Kinder-Rheumatologie ist auf die Besonderheiten der Diagnosestellung spezialisiert und kann eine wirksame und verträgliche Therapie einleiten und überwachen.

Wie wird eine juvenile idiopathische Arthritis behandelt?

Zur Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis stehen in erster Linie nichtsterodiale Antirheumatika – kurz NSAR (z. B. Wirkstoff Diclofenac), sogenannte Basistherapeutika und Kortikoide (z. B. Wirkstoff Prednisolon) zur Verfügung.

Die NSAR helfen gegen Gelenkschmerzen, Schwellungen und Fieber. Sie wirken rasch, meist tritt eine Besserung innerhalb von Stunden bis Tagen ein. Bei leichten Verläufen ist diese Therapie oft ausreichend. Schreitet die Erkrankung jedoch chronisch fort, sind zusätzlich Basistherapeutika erforderlich. Sie greifen regulierend in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können das weitere Fortschreiten der Erkrankung abschwächen und verhindern.

Zu den Basistherapeutika zählen z. B. die Wirkstoffe Methotrexat, Leflunomid, Sulfasalazin, Azathioprin und Antimalariamittel. Methotrexat gilt derzeit als Goldstandard bei der JIA.

Als dritte medikamentöse Säule haben sich Kortikoide bewährt. Sie wirken stark entzündungshemmend und werden entweder in Tablettenform eingenommen oder als Lösung direkt in das entzündete Gelenk injiziert. Diese Substanzen wirken sehr schnell schmerzlindernd und kurzfristig entzündungshemmend. Sie beeinflussen jedoch nicht den eigentlichen Krankheitsverlauf. Bei den meisten Patienten kommen Kortikoide so lange zum Einsatz, bis die Entzündungen und Schmerzen deutlich abklingen. Anschließend wird oft deren Dosis reduziert oder das Präparat ganz ausgeschlichen.

Neben der medikamentösen Behandlung bieten sich nicht-medikamentöse Behandlungsformen an. An vorderster Stelle stehen krankengymnastische Übungen, physikalische Therapien, Patientenschulungen und Hilfsmittel wie z. B. Einlagen.

Krankengymnastik dient der Vorbeugung von Bewegungseinschränkungen, Gelenkversteifungen und Fehlstellungen und der Vermeidung von Ausweichbewegungen und ungünstigen Bewegungsmustern. Bei bereits eingetretenen Veränderungen dieser Art, versucht sie eine Korrektur mit dem Ziel einer Wiederherstellung der normalen Verhältnisse.