Magenkrebs - Magenkarzinom

Was ist Magenkrebs – das sogenannte Magenkarzinom?

Der Magen ist ein muskulöses Hohlorgan und liegt zwischen Milz und Leber – im linken Oberbauch unterhalb des Zwerchfells. Am oberen Ende mündet die Speiseröhre ein, am unteren Ende geht der Magen in den Zwölffingerdarm über.

Der Magen wird in verschiedene Abschnitte eingeteilt:

  • Mageneingang im Bereich der Speiseröhrenmündung
  • Magenfundus, der sich kuppelartig nach oben unter das Zwerchfell wölbt
  • Magenkörper
  • Bereich vor dem Pförtnermuskel in Richtung Dünndarm

Mit Hilfe des Magensaftes verarbeitet der Magen die Nahrung zu einem durchmischten Speisebrei, der im Durchschnitt 3 Stunden dort bleibt. Dosiert wird der Brei in den Dünndarm abgegeben, wo die weitere Verdauung stattfindet.

Die Magenwand ist zwei bis drei Millimeter dick und besteht aus vier Schichten (von innen nach außen): der Magenschleimhaut, einer blutgefäßreichen Bindegewebsschicht, einer Muskelschicht und dem Bauchfell, das den Magen außen umschließt. Die Magenmuskeln haben die Aufgabe, den Nahrungsbrei zu durchmischen und weiter zu transportieren.

Die Magenschleimhaut besteht aus zahlreichen Drüsen. Diese produzieren einerseits Magensäure und Verdauungssekrete, zum anderen einen neutralen Schleim. Der Magenschleim überzieht die Schleimhaut mit einem Schutzfilm und schirmt sie so vor den aggressiven Verdauungssäften, der Magensäure und anderen schädigenden Einflüssen ab.

Magenschleimhautentzündungen, Geschwüre oder auch Magenkrebs können dort entstehen, wo diese Schutzschicht beschädigt ist. Bösartige Tumoren des Magens – also Magenkrebs - entwickeln sich meist in der Magenschleimhaut.

Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 15.800 Personen am Magenkarzinom, davon rund 9.200 Männer. Unter Männern stellt Magenkrebs die sechsthäufigste Tumorerkrankung dar, unter Frauen die achthäufigste. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 70 und für Frauen bei 76 Jahren.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung von Magenkrebs?

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko an Magenkrebs zu erkranken.

Neben einer gewissen erblichen Veranlagung spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Auch Rauchen hat Einfluss auf die Entstehung von Magenkrebs. Eine Bakterieninfektion sowie Vorerkrankungen des Magens können das Risiko einer Krebserkrankung erhöhen.

Risikofaktor: Ernährung

Besonders der häufige Verzehr stark gesalzener Speisen und ein geringer Konsum von frischem Gemüse und Obst stellen Risikofaktoren dar. Auch gepökelte, gegrillte und geräucherte Speisen scheinen das Auftreten von Magenkrebs zu fördern.

Risikofaktor: Infektionen

Entzündungen der Magenschleimhaut, die durch das Bakterium Helicobacter pylori ausgelöst werden, können das Risiko einer Erkrankung an Magenkrebs erhöhen.

Risikofaktor: Vorerkrankungen des Magens

Verschiedene Vorerkrankungen des Magens, etwa bei einer chronischen Magenschleimhautentzündung, können das Risiko für Magenkrebs erhöhen.

Auch Patienten, die an Magenpolypen – also gutartigen Wucherungen der Magenschleimhaut – sowie an einer bestimmten Form der Blutarmut leiden, haben ein erhöhtes Risiko.

Ein erhöhtes Krankheitsrisiko haben auch Menschen, die sich lange Zeit zuvor einer Magenoperation unterziehen mussten.

Risikofaktor: Rauchen

Auch das Rauchen gilt als Risikofaktor für Magenkrebs. Die zum Teil Krebs erregenden Stoffe des Zigaretten- und Tabakrauchs lösen sich im Speichel und gelangen so in den Magen. Man schätzt, dass Raucher ein etwa 3-fach erhöhtes Risiko haben, an Magenkrebs zu erkranken.

Risikofaktor: genetische Veranlagung

Es gibt Familien, in denen gehäuft Magenkrebs auftritt.

Welche Rolle spielt die Lebensweise für Magenkrebs?

Besonders der häufige Verzehr stark gesalzener Speisen und ein geringer Konsum von frischem Gemüse und Obst stellen Risikofaktoren dar. Auch gepökelte, gegrillte und geräucherte Speisen scheinen das Auftreten von Magenkrebs zu fördern.

Auch das Rauchen gilt als Risikofaktor für Magenkrebs. Die zum Teil Krebs erregenden Stoffe des Zigaretten- und Tabakrauchs lösen sich im Speichel und gelangen so in den Magen. Man schätzt, dass Raucher ein etwa 3-fach erhöhtes Risiko haben, an Magenkrebs zu erkrank

Wie wird die Diagnostik bei Magenkrebs durchgeführt?

Folgende Symptome können einen Hinweis auf eine Magenerkrankung geben und sollten dem Arzt mitgeteilt werden:

  • Oberbauchbeschwerden
  • Druck- und Völlegefühl
  • Aufstoßen
  • Mundgeruch
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Blähungen
  • Appetitlosigkeit
  • plötzliche Abneigung gegen bestimmte Speisen, besonders gegen Fleisch
  • Gewichtsverlust
  • schwarzer Stuhlgang
  • Blässe und Abgeschlagenheit
  • Leistungsabfall

All diese Beschwerden können harmlose Ursachen haben, sie können aber auch einen Hinweis auf eine Magenkrebserkrankung geben.

Wird Magenkrebs im Frühstadium erkannt, sind die Chancen auf Heilung gut.

Neben der körperlichen Untersuchung wird der Arzt gegebenenfalls eine Stuhl- und Blutuntersuchung veranlassen sowie eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs vornehmen. Die Magenspiegelung (Gastroskopie) ermöglicht eine schnelle, relativ sichere und vor allem frühzeitige Diagnose. Bei der Gastroskopie werden die oberen Verdauungswege untersucht. Dabei führt der Arzt einen mit einer Lichtquelle versehenen Schlauch in Speiseröhre und Magen bis zum Zwölffingerdarm vor.

Bei der Betrachtung der Schleimhäute können Veränderungen festgestellt werden. Dabei entnimmt der Arzt gezielt Gewebeproben. Diese werden unter dem Mikroskop untersucht.

Stellt der Arzt tatsächlich Magenkrebs fest, schließen sich weitere Untersuchungen an. Dabei wird festgestellt, wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet hat, ob Lymphknoten befallen sind oder ob sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet haben.

Zu den üblichen Untersuchungsmethoden gehören:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Laboruntersuchungen
  • Endosonographie (endoskopischer Ultraschall)
  • Röntgenaufnahmen der Lunge

Zusätzlich können eingesetzt werden:

  • Computertomographie (CT)
  • Bauchspiegelung (Laparoskopie)
  • Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber

Erst wenn alle notwendigen Untersuchungen abgeschlossen sind, kann der Arzt mit dem Patienten gemeinsam entscheiden, welche Behandlungsmaßnahmen in der individuellen Situation am besten geeignet sind.

Wie wird Magenkrebs behandelt?

Folgende Behandlungsmethoden kommen für die Therapie von Magenkrebs in Frage:

  • Operation
  • Chemotherapie
  • Strahlentherapie

Das wichtigste Verfahren zur Behandlung von Magenkrebs ist die Operation. Ziel der Operation ist es, den Tumor vollständig zu entfernen und damit die Krankheit dauerhaft zu heilen.

Als weitere Möglichkeiten stehen die Chemotherapie und in manchen Situationen auch die Strahlenbehandlung zur Verfügung.

Operation

Bei der Operation werden grundsätzlich auch die umliegenden Lymphknoten entfernt. Das geschieht zur Sicherheit, da sich die Tumorzellen über die Lymphwege ausbreiten können. Außerdem lässt sich durch die mikroskopische Untersuchung der entfernten Lymphknoten der bestehende Ausbreitungsgrad der Krankheit feststellen.


Chemotherapie

Die Chemotherapie zielt darauf ab, Krebszellen im ganzen Körper durch zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) abzutöten. Zytostatika wirken sehr gut gegen rasch wachsende Zellen, eine Eigenschaft, die in besonderem Maße auf Krebszellen zutrifft.

Eine Heilung des Magenkarzinoms allein durch die Gabe von Zytostatika ist nicht möglich.

Eine Chemotherapie vor und nach der Operation verbessert ab einer bestimmten Tumorausdehnung die Heilungschance des Patienten.

Antikörpertherapie

Hat der Magenkrebs bereits gestreut, steht die Antikörpertherapie zur Verfügung. Der Wirkstoff wird in Kombination mit einer Chemotherapie alle drei Wochen als Infusion verabreicht.

Strahlentherapie

Strahlentherapie wird bei Magenkrebs gelegentlich eingesetzt, wenn ein Patient nicht operiert werden kann oder auf eine Chemotherapie nicht anspricht. Die Strahlentherapie dient vor allem der Schmerzbehandlung und wird zur Behandlung von Metastasen eingesetzt.

Aktuell wird die Strahlentherapie in Kombination mit einer Chemotherapie auch schon vor der Operation durchgeführt. Zusätzlich zur Chemotherapie kann die Strahlentherapie zu einer Verkleinerung des Tumors beitragen.

Schmerzbehandlung

Ist die Krebserkrankung bereits fortgeschritten, hat der Patient häufig Schmerzen. Dann ist die wirksame Schmerzbekämpfung wichtig. Mit den heute verfügbaren Medikamenten und Methoden lassen sich Tumorschmerzen in den meisten Fällen gut lindern.

Zusatzinformation: Magenkrebs – Einteilung der Tumorarten und Tumorstadien

Außer der Magenspiegelung (Gastroskopie) und dem Hämoccult-Test auf verstecktes Blut im Stuhl dienen die umfangreichen Untersuchungen bei Magenkrebs dazu, das Tumorstadium (Staging) festzustellen. Nach dem Stadium richten sich die Therapie und die Prognose. Wichtige Kriterien sind dabei die Größe des Tumors, ob Nachbarorgane befallen sind und ob Tochtergeschwulste in Lymphknoten und in entfernten Organen vorhanden sind.

TNM-Klassifikation

Nach der internationalen TNM-Klassifikation ergibt sich folgende Einteilung für das Tumorstadium:

T: Primärtumor (zuerst aufgetretene Krebsgeschwulst)

T is

Carcinoma in situ, d.h. der Krebs ist auf die Schleimhautoberfläche beschränkt. Dieses Stadium metastasiert noch nicht.

T1

Frühkarzinom: Als "early cancer" (Frühkarzinom) bezeichnet man ein Magenkarzinom, welches nur oberflächennah in Schleimhaut (Mukosa) und die Bindegewebsschicht unter der Schleimhaut (Submukosa) einwächst und die tieferen Schichten noch nicht erreicht hat. Wächst der Tumor bereits in die tieferen Wandschichten ein, spricht man von einem "advanced cancer" (fortgeschrittenes Karzinom).

T2

Tumorinvasion bis in die Muskularis, d.h. der Tumor wächst in die Muskelschicht des Magens ein.

T3

Tumorinvasion bis in das Bauchfell (Serosa) ohne benachbarte Organe und Strukturen.

T4

Der Tumor wächst in angrenzende Strukturen (z.B. Milz, Dickdarm, Leber, Zwerchfell, Bauchspeicheldrüse, Bauchwand, Niere, Nebenniere, Dünndarm) hinein.

N: Lymphknotenbefall N = Nodus (lat. Knoten)

N0

Keine Lymphknoten befallen.

N1

Befall von 1 bis 2 benachbarten (regionären) Lymphknoten.

N2

Befall von 3 bis 6 benachbarten (regionären) Lymphknoten.

N3

Befall von 7 bis 15 benachbarten (regionären) Lymphknoten (N3a) oder mehr als 15 benachbarten Lymphknoten (N3b).

M: Fernmetastasen

M0

Keine Fernmetastasen.

M1

Fernmetastasen vorhanden

 

Laurén-Klassifikation

Außer der TNM-Klassifikation wendet man bei Magenkrebs die Laurén-Klassifikation an, die besondere Bedeutung für das Ausmaß einer Operation hat. Sie unterscheidet nach der Wachstumsform:

  • Interstinaler Typ: Der Krebs wächst pilzförmig (polypös) in den Magen vor und ist gut begrenzt. Dieser Typ hat eine gute Prognose.
  • Diffuser Typ: Der Krebs wächst in der Magenwand und ist schlecht begrenzt.Die Prognose ist wegen früher Metastasierung ungünstig.
  • Mischtyp: Der Krebs wächst sowohl in Richtung Magenlumen als auch seitwärts in der Magenwand vor.

Grading (Differenzierungsgrad)

Zusätzlich wird die Reife (Differenzierungsgrad) der Tumorzellen eingeteilt von

  • G1 = hoch (hohe Ähnlichkeit mit gesunden Körperzellen)
  • G2 = mittel
  • G3 = gering
  • G4 = undifferenziert (keine Ähnlichkeit mit ausgereiften gesunden Körperzellen)

Je höher der Differenzierungsgrad seiner Zellen (also je niedriger die Grading-Stufe), desto langsamer und weniger aggressiv ist das Wachstum des Tumors.

Metastasierung

Metastasen sind Tochtergeschwulste von bösartigen Tumoren. Bei Magenkrebs kann es zu folgenden Metastasierungen kommen:

  • Lymphknotenmetastasen: Zum Zeitpunkt der Erstdiagnose haben etwa 70 Prozent der Magenkrebs-Patienten Lymphknotenmetastasen. Bei Magenkrebs ist besonders ein Lymphknoten in der linken Schlüsselbeingrube (Virchow-Lymphknoten) häufig befallen.
  • Fernmetastasen: Die Ausbreitung der Magenkrebszellen mit Absiedlung von Tochtergeschwulsten über die Blutbahn befällt vor allem die Leber, dann Lunge, Knochen und Gehirn.
  • Per continuitatem: Wächst der Magenkrebs in die Nachbarorgane Speiseröhre, Zwölffingerdarm, Dickdarm und Bauchspeicheldrüse ein, können weitere Absiedlungen entstehen.
  • Abtropfmetastasen: Wenn sich Tumorzellen an der Außenseite der Magenwand ablösen, kann sich der Magenkrebs auf das Bauchfell (Peritonealkarzinose) ausbreiten. Dabei sondert sich Flüssigkeit in die Bauchhöhle (Aszites) ab. Außerdem können sich sogenannte Abtropfmetastasen im Eierstock oder im Douglas-Raum (tiefste Stelle im Becken) bilden.

MALT-Lymphom

Eine Sonderstellung bei Magenkrebs nehmen die sogenannten malignen Lymphome, auch als MALT-Lymphome bezeichnet, ein. Dabei handelt es sich um bösartig entartetes Lymphgewebe und nicht, wie bei den anderen Tumoren, um bösartiges Magenschleimhautgewebe.