Kopf-Hals-Tumoren

Was sind Kopf-Hals-Tumoren?

Unter dem Begriff Kopf-Hals-Tumoren (Kopf-Hals-Karzinome) werden verschiedene Krebsarten zusammengefasst, die im Kopf-Halsbereich auftreten.

Dazu zählen bösartige Tumoren:

  • der Mundhöhle (Mundhöhlenkarzinome), d.h. Tumoren von Lippen, Zunge, Mundboden, Gaumen, Speicheldrüsen
  • des Rachens
  • des Kehlkopfes
  • der Nase
  • der Nasennebenhöhlen
  • des äußeren Halses, insbesondere der Schilddrüse

Etwa 50 von 100.000 Einwohner erkranken in Deutschland jährlich an Krebs im Kopf-Halsbereich. Am häufigsten tritt der Kehlkopfkrebs auf, wobei Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen. Im Durchschnitt sind die Patienten zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung 68 Jahre alt.

Obwohl Kopf-Hals-Tumoren anatomisch zum Hals gehören, werden diese Tumoren von Chirurgen, Internisten und Nuklearmedizinern in der Endokrinologie betreut.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung von Kopf-Hals-Tumoren?

Für die Entstehung von Kopf-Hals-Tumoren kommen viele Ursachen und Risiken in Frage:

  • Rauchen
  • regelmäßiger hoher Alkoholkonsum
  • virale Infektionen (humanes Papillomvirus, HPV)
  • der berufliche Umgang mit bestimmten Schadstoffen (Asbest, chrom- und nickelhaltige Farben und Lacke, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe)

UV- und radioaktive Strahlung, schlechte Mundhygiene, ein schwer geschwächtes Immunsystem (zum Beispiel nach Organ- oder Knochenmarktransplantation) und chronische Verletzungen der Schleimhaut spielen im Vergleich eine eher geringe Rolle für eine Erkrankung.

Rauchen: größter Risikofaktor für Kopf-Hals-Tumoren

Vier von fünf Patienten mit einem bösartigen Tumor der Mundhöhle rauchen. Raucher erkranken an Krebs der Mundhöhle und des Rachens je nach Zigarettenmenge bis zu sechsmal häufiger als Nichtraucher. Alkohol verstärkt die negativen Wirkungen des Rauchens zusätzlich. Eine Kombination von Rauchen und regelmäßigem Alkoholkonsum in größerer Menge ist also besonders gefährlich.

Viren: Anteil HPV-bedingter Tumoren nimmt zu

Tumoren im Nasen- und Rachenbereich werden in vielen Fällen, genau wie der Gebärmutterhalskrebs, mit dem humanen Papilloma-Virus (HPV) in Verbindung gebracht. Dieser Virus löst das Karzinom zwar nicht aus, ist aber ein wichtiger Begleitfaktor.

In seltenen Fällen können Infektionen zur Ausbildung einer Kehlkopf-Papillomatose führen. Dabei bilden sich viele kleine Polypen im Bereich der Stimmlippen, die zunächst gutartig sind, sich allerdings zu bösartigen Tumoren umwandeln können.

Krebsvorstufen: Leukoplakie

Bösartige Tumoren im Kopf-Hals-Bereich entstehen oft durch Krebsvorstufen. Hierzu zählt die Leukoplakie, auch "Weißschwielenkrankheit" genannt. Bei dieser Erkrankung kommt es in der Schleimhaut - bevorzugt in Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf – zur Bildung weißlicher, nicht abwischbarer Bezirke. Sie entstehen durch eine krankhafte Verdickung der äußersten Schleimhautschicht und neigen dazu, in bösartige Tumoren überzugehen. Diese Vorstufe ist für einen HNO-Arzt leicht zu erkennen.

Welche Rolle spielt die Lebensweise für Kopf-Hals-Tumoren?

Bei Tumoren im Kopf-Hals-Bereich spielen das Tabakrauchen, der Alkoholkonsum und die Mundhygiene eine wesentliche Rolle. Der meist jahrzehntelange Konsum von Tabak und Alkohol führt auch dazu, dass viele Patienten neben der Tumorerkrankung mit weiteren internistischen Erkrankungen belastet sind Dazu gehören die koronare Herzerkrankung, chronische Bronchitis und Leberzirrhose.

Wie wird die Diagnostik beim Kopf-Hals-Tumor durchgeführt?

Tumoren im Bereich der Mundhöhle machen sich oftmals als schmerzhafte oder auch als schmerzfreie Veränderungen an der Schleimhaut bemerkbar:

  • Schwellungen
  • Verfärbungen
  • länger anhaltende Geschwüre

Zudem können sie - je nach Lage und Größe - die Beweglichkeit der Zunge einschränken sowie Schwellungen und Schluckbeschwerden verursachen. Auch bei Rachentumoren kommt es häufig zu Schluckbeschwerden. Tumoren der Speicheldrüsen verursachen oft eine schmerzhafte Schwellung.

Auf einen Kehlkopftumor weisen folgende Beschwerden hin:

  • chronische Heiserkeit
  • anhaltendes Kratzen im Hals mit ständigem Zwang, sich zu räuspern
  • chronischer Husten
  • Schluckstörungen
  • Schmerzen im Hals, die bis zu den Ohren ausstrahlen
  • Fremdkörpergefühl im Hals und Atembeschwerden

Sehr oft suchen die betroffenen Patienten den Arzt erst in einem späten Stadium auf, da die Tumoren bei ungünstiger Lage im Rachenraum erst sehr spät Beschwerden machen.

Für die Diagnostik stehen dem Spezialisten folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Einsatz von Spiegeln
  • Endoskopie
  • Ultraschall (Sonographie)
  • Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Spiegeln

Mit kleinen Spiegeln kann der Arzt Teile der Nasenhöhle und des Ohres, tiefere Rachenbereiche und den Kehlkopf untersuchen.

Endoskopie

Erst durch eine Endoskopie (Spiegelung) der oberen Luft- und Speisewege unter Narkose kann der Arzt einen Kopf-Hals-Tumor sicher diagnostizieren. Dabei werden Gewebeproben (Biopsien) aus verdächtigen Bereichen entnommen und anschließend mikroskopisch untersucht.

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Wenn sich der Tumor bereits ausgebreitet hat, kann der Arzt unter Ultraschall vergrößerte Lymphknoten erkennen. Aus verdächtigen Lymphknoten können Zellen mit einer dünnen Nadel (Feinnadelpunktion) entnommen und mikroskopisch untersucht werden.

Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT)

Mithilfe der Computertomographie und Magnetresonanztomographie kann die Ausbreitung des Tumors exakt bestimmt werden. Außerdem lassen sich eventuelle Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen wie der Lunge feststellen.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Mit diesem Verfahren können Tumoren und Metastasen dargestellt werden können. Dem Patienten wird bei der Untersuchung ein Zucker verabreicht, der mit einer radioaktiv markierten Substanz beladen ist. Im Körper wird der Zucker abgebaut. Dabei hinterlässt er durch die radioaktive Substanz eine Spur. Die besondere Aufnahmetechnik bei der PET macht diese Spur sichtbar. Da bösartige Tumoren eine höhere Stoffwechselaktivität als gesunde Gewebe haben, heben sie sich im PET-Bild ab. Die Positronen-Emissions-Tomographie zählt nicht zu den Standardverfahren bei der Diagnostik von Kopf-Hals-Tumoren.

Wie werden Kopf-Hals-Tumoren behandelt?

Für die individuelle Behandlungsplanung stehen folgende Kriterien im Vordergrund:

  • die Art, Größe und der Ausbreitungsgrad des Tumors
  • der Gesundheitszustand des Patienten

In den meisten Fällen werden Kopf-Hals-Tumoren mit einem chirurgischen Eingriff in Kombination mit einer Strahlentherapie, evtl. in Verbindung mit einer Chemotherapie, behandelt. Die Chirurgen entfernen den Tumor nach Möglichkeit im Ganzen unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes. Bei verdächtigen Hals-Lymphknoten werden auch diese entnommen. Um den Therapieerfolg zu erhöhen, wird der Patient im Anschluss an die Operation nachbestrahlt.

Ist der Tumor nicht operabel, kommt primär die Strahlentherapie in Kombination mit der Chemotherapie oder Antikörpertherapie zum Einsatz. Liegen zum Zeitpunkt der Diagnose Fernmetastasen vor, werden die Patienten im Regelfall mit alleiniger Chemotherapie behandelt. Bei der Radiochemotherapie kombinieren die Ärzte die Strahlentherapie mit der Chemotherapie.

Bei der Chemotherapie werden Zellgifte - so genannte Zytostatika - eingesetzt, die das Wachstum von Zellen blockieren. Da sich Krebszellen besonders schnell teilen, reagieren sie empfindlicher auf Zytostatika als gesunde Zellen.

Links zum Thema Kopf-Hals-Tumoren

Informationen der dt. Krebsgesellschaft:

http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_kopf_hals_tumor_definition,108162.html

Informationen der dt. Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf-Hals-Chirurgen e.V., Bonn

http://www.hno.org/patienten/index.html

Informationen der Uni Heidelberg

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Boesartige-Erkrankungen-des-Kopf-Hals-Bereiches.9371.0.html

Informationen/Übersicht zu Selbsthilfegruppen

http://www.hno.org/patienten/verbaende.html

Informationen/Übersicht zu HNO-Kliniken

http://www.hno.org/patienten/kliniken.html

Zusatzinformation: Kopf-Hals-Tumoren – Einteilung der Tumorarten und Tumorstadien

Kopf-Hals-Tumoren streuen (metastasieren) zunächst in die nahe gelegenen Lymphdrüsen und erst sehr spät über die Blutbahn in weiter entfernte Organe, wie Lunge oder Knochen.

Die Einteilung der Tumoren erfolgt nach internationalen Kriterien. Es wird eine generelle Unterteilung zwischen den Stadien I/II (lokal begrenzt) und III/IV (fortgeschritten) vorgenommen. Dies hat eine wesentliche Bedeutung für die Prognose und Therapie.

Der Therapieerfolg ist auch abhängig von der Lokalisation des Tumors. Die beste Prognose haben Tumoren des Kehlkopfes, dann folgen Tumoren des Mundbodens. Die schlechteste Prognose haben Tumoren des Rachens, da diese häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden.

Der Lymphknotenstatus zum Zeitpunkt der Diagnose ist einer der wesentlichen Faktoren für die Prognose. Fernmetastasen sind selten und treten dann vor allem in der Lunge, selten in Knochen und Haut auf.