Bronchialkarzinom

Was ist das Bronchialkarzinom?

In allen Abschnitten der Lunge kann Lungenkrebs - auch Lungenkarzinom oder Bronchialkarzinom genannt - entstehen. Die Mehrzahl der Lungentumoren entwickelt sich aus den Zellen der Schleimhaut, die die Bronchien auskleidet. Häufig treten in einer frühen Phase Veränderungen in der Schleimhaut auf, die als Krebsvorboten erkannt werden können.

Über 50 Prozent der Tumoren entwickeln sich in den oberen Teilen der Lungenflügel. Bei der Atmung werden diese stärker belüftet und damit auch mehr schädigenden Substanzen ausgesetzt.

Es gibt verschiedene Arten von Lungenkarzinomen:

Das so genannte kleinzellige Lungenkarzinom ist besonders bösartig. Es wächst sehr schnell und breitet sich schnell im Körper aus.

Die nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome – dazu gehören das so genannte Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom – wachsen langsamer.

Nur die feingewebliche Untersuchung des Krebsgewebes gibt Aufschluss über die Tumorart.

In der Bundesrepublik Deutschland gehört Lungenkrebs zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen. Sowohl unter Männern als auch unter Frauen ist Lungenkrebs die dritthäufigste bösartige Tumorerkrankung. Jährlich erkranken circa 34.000 Männer und 15.600 Frauen an dieser Krebsart.

Während die Neuerkrankungsrate bei Männern seit Ende der 1980er Jahre langsam zurückgeht, steigt sie bei Frauen kontinuierlich an. Lungenkrebs tritt überwiegend ab dem 40. Lebensjahr auf. Die meisten Patienten sind 69 Jahre alt.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung vom Bronchialkarzinom?

90 Prozent der Erkrankungen sind auf das Rauchen zurückzuführen.

Verschiedene Kriterien sind für das Risiko entscheidend:

  • die Anzahl der Zigaretten
  • die Dauer des Rauchens
  • die Schadstoffkonzentration der Zigarette
  • der Zeitpunkt, zu dem mit dem Rauchen begonnen wird

Bei Aufgabe des Rauchens sinkt das Risiko für einen Lungentumor. Nach 10 Jahren hat ein ehemaliger Raucher etwa das gleiche Risiko, an einem Bronchialkarzinom zu erkranken, wie ein Nichtraucher.

Die Gefahr, an Lungenkrebs zu erkranken, nimmt auch durch das Passivrauchen zu.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Substanzen, die am Arbeitsplatz oder durch eine hohe Schadstoffbelastung der Luft eingeatmet werden. Auch die Ernährung, Infektionen und möglicherweise genetische Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Lungenkrebs.

Welche Rolle spielt die Lebensweise für das Bronchialkarzinom?

90 Prozent aller Lungenkrebsfälle gehen auf das Rauchen zurück. Im Zigarettenrauch sind zahlreiche Krebs erregende (karzinogene) Substanzen enthalten. Mit steigender Zahl der täglich gerauchten Zigaretten und mit der Dauer des Rauchens nimmt auch das Risiko einer Lungenkrebserkrankung deutlich zu. So ist bei 25 Zigaretten am Tag die Wahrscheinlichkeit, an einem Lungentumor zu erkranken, 25 Mal höher als bei Nichtrauchern.

Wie wird die Diagnostik beim Bronchialkarzinom durchgeführt?

Je früher ein Bronchialkarzinom entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Lungentumoren verursachen zu Beginn ihres Wachstums nur selten Beschwerden. Deshalb werden sehr kleine Lungenkarzinome fast immer nur zufällig entdeckt, etwa bei Röntgenuntersuchungen.

Folgende Symptome können auftreten, die ein Arzt begutachten sollte:

  • Husten, der über mehrere Wochen anhält und nicht abklingt, sondern schlimmer wird oder sich plötzlich ändert
  • Heiserkeit
  • Bronchitis oder „Erkältung“, die sich trotz Behandlung mit Antibiotika nicht bessert
  • Atemnot
  • ständige Schmerzen in der Brust
  • Auswurf mit oder ohne Blutbeimengungen
  • Schwellungen von Hals und Gesicht
  • Appetitlosigkeit oder starker Gewichtsverlust, allgemeiner Kräfteverfall
  • Lähmungen oder starke Schmerzen, Fieberschübe

Besteht Verdacht auf Lungenkrebs, leitet der Arzt die notwendigen Untersuchungen ein. Hierbei wird abgeklärt, ob es sich tatsächlich um einen Tumor handelt. Wenn dies der Fall ist, wird die Tumorart und das Stadium der Erkrankung festgestellt.

Zu den Grund-Untersuchungen bei Verdacht auf Lungenkrebs gehören:

  • Laboruntersuchungen des Blutes und des Bronchialschleims
  • Röntgenaufnahmen
  • Bronchoskopie

Bronchoskopie

Besteht der Verdacht auf Lungenkrebs, gehört die Spiegelung der Bronchien zu den Standard-Untersuchungsmethoden. Mit dem Bronchoskop, einem optischen Gerät, lassen sich abnorme Zellen in der Lunge aufspüren.

Wird Lungenkrebs festgestellt, schließen sich weitere Untersuchungen an. Sie zeigen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat, ob Lymphknoten befallen sind und ob sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet haben.

Zu diesen Untersuchungsmethoden gehören:

  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Skelettszintigraphie (=Knochenszintigraphie)
  • Mediastinoskopie
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
  • Endobronchialer Ultraschall (EBUS)
  • Lungenfunktionsprüfung    

Skelettszintigraphie (Knochenszintigraphie)

Mit Hilfe der Skelettszintigraphie lässt sich erkennen, ob der Tumor bereits die Knochen befallen hat. Dazu werden geringe Mengen einer radioaktiven Substanz in die Blutbahn gespritzt, die sich besonders in erkrankten Knochen anreichert. Eine Kamera macht die radioaktive Strahlung sichtbar.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET)

Bei der Positronen-Emissions-Tomographie wird radioaktiv markierter Zucker in die Blutbahn gespritzt und dessen Verstoffwechslung bildlich dargestellt. Tumoren und Metastasen weisen meist einen gegenüber gesundem Gewebe erhöhten Stoffwechsel auf und heben sich dadurch im Bild vom gesunden Gewebe ab.

Mediastinoskopie

Bronchialkarzinome verbreiten sich oft über die Lymphbahnen. Besonders häufig sind die Lymphknoten des Mediastinums, also des Raums zwischen den beiden Lungenflügeln, befallen. Wenn die Wahl der Therapie von einer möglichst sicheren Aussage über den Zustand dieser Lymphknoten abhängt, kann eine Mediastinoskopie sinnvoll sein.

Endobronchialer Ultraschall (EBUS)

Hierbei wird die Bronchoskopie mit Ultraschall kombiniert. Am Ende des verwendeten Bronchoskops sitzt ein Ultraschallkopf, über den die Lymphknoten im Mediastinum sichtbar gemacht und punktiert werden können.

Lungenfunktionsprüfung

Die Lungenfunktionsprüfung gibt Auskunft über den funktionalen Zustand der Lunge.

Wie wird Lungenkrebs – das Bronchialkarzinom behandelt?

Die Art der Therapie hängt entscheidend davon ab, um welche Form von Lungenkrebs (nichtkleinzellig oder kleinzellig) es sich handelt und wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten ist.

 Folgende Therapieverfahren stehen zur Verfügung:

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • Chemotherapie

Welche Verfahren eingesetzt werden, hängt von der Tumorart und vom Stadium der Erkrankung ab. Sofern es sinnvoll erscheint, werden die unterschiedlichen Therapien auch miteinander kombiniert.

Bei der Chemotherapie werden Zellgifte - so genannte Zytostatika - eingesetzt, die das Wachstum von Zellen blockieren. Da sich Krebszellen besonders schnell teilen, reagieren sie empfindlicher auf Zytostatika als gesunde Zellen.

Operation

Hat der Tumor eine bestimmte Größe nicht überschritten und noch keine Fernmetastasen gebildet, wird immer eine Operation angestrebt. Hierbei sollen das Tumorgewebe sowie die umliegenden und gegebenenfalls von Tumorzellen befallenen Lymphknoten vollständig entfernt werden. Die Operation spielt vor allem beim nichtkleinzelligen Lungenkrebs eine wichtige Rolle. In Einzelfällen kann sie aber auch beim kleinzelligen Typ sinnvoll sein, wenn der Tumor noch klein und nur der benachbarte Lymphknoten befallen ist.

Strahlentherapie

Die Bestrahlung erfolgt von außen auf die Tumorregion. Strahlentherapie bewirkt die Zerstörung von Krebszellen.
Bei nichtkleinzelligen Lungentumoren kann eine Strahlentherapie zum Einsatz kommen, wenn der Tumor bereits so groß ist, dass er durch eine Operation allein nicht mehr vollständig entfernt werden kann.

In der Regel wird die Strahlentherapie mit einer Chemotherapie kombiniert.

Chemotherapie

Bei der Chemotherapie kommen zellwachstumshemmende Medikamente, so genannte Zytostatika, zum Einsatz. Sie wirken in erster Linie gegen schnell wachsende Zellen und damit gegen Krebszellen. Für die Behandlung von Lungenkrebs stehen mehrere Chemotherapeutika zur Verfügung, die entsprechend der individuellen Voraussetzungen ausgewählt werden.

Zusatzinformation: Lungenkrebs – Bronchialkarzinom – Einteilung der Tumorarten und Tumorstadien

Je nach Ausbreitung des Tumors spricht man von verschiedenen Stadien (Entwicklungsstufen) des Lungenkrebses. Die exakte Zuordnung ist Voraussetzung dafür, die richtige Therapie einleiten zu können. Die Einteilung erfolgt nach bestimmten Normen, für die hauptsächlich drei Gesichtspunkte maßgebend sind:

  • die Größe und Ausdehnung des Tumors (T)
  • die Beteiligung der Lymphknoten (N)
  • das Vorhandensein von Metastasen (M)

Man verwendet deshalb auch den Begriff TNM-Klassifikation, dies ist ein international gültiges System. Die Ziffern hinter den Buchstaben geben genauere Hinweise auf die Ausdehnung des Tumors (T1-4), Zahl und Lage der befallenen Lymphknoten (N0-3) und das Vorhandensein oder Fehlen von entfernten Metastasen (M0 und M1). Wenn der Arzt in der Patientendokumentation beispielsweise das Stadium „T1 N0 M0“ vermerkt, handelt es sich in diesem Fall um einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und Metastasen, der noch nicht in den Hauptbronchus eingewachsen ist.

TNM-Klassifikation des Lungenkrebses

Für T (Tumor) gibt es folgende Bezeichnungen:

  • T1 = Der Primärtumor ist kleiner als 2 cm (T1a) oder zwischen 2 und 3 cm (T1b), der Hauptbronchus ist nicht befallen.
  • T2 = Der Primärtumor ist größer als 3 cm und kleiner als 5 cm (T2a) oder zwischen 5 und 7 cm (T2b) oder wächst in den Hauptbronchus der gleichen Seite hinein.
  • T3 = Der Primärtumor ist größer als 7 cm bzw. erfasst die Brustwand, Zwerch-, Lungen- oder Rippenfell oder einen Hauptbronchus. Der Primärtumor hat Satellitenherde im gleichen Lappen gesetzt.
  • T4 = Der Tumor erfasst benachbarte Strukturen wie den Raum zwischen den beiden Lungen (Mediastinum), Herz, Blutgefäße, Luftröhre oder Wirbelkörper. Der Primärtumor hat Satellitenherde in anderen, auf der gleichen Seite gelegenen Lappen gesetzt.

Die Bezeichnungen zu N (Nodi = Knoten) lauten:

  • N0 = Die Lymphknoten sind nicht betroffen.
  • N1 = Der Tumor erfasst benachbarte Lymphknoten derselben Seite.
  • N2 = Der Tumor erfasst entferntere Lymphknoten auf der gleichen Seite.
  • N3 = Der Tumor erfasst Lymphknoten des anderen Lungenflügels.

Für M (Metastasen) gibt es folgende Einteilung:

  • M0 = kein klinischer Nachweis von Tochtergeschwülsten (Metastasen)

  • M1 = Fernmetastasen (M1b, z.B. in der Leber, Gehirn, Nebenniere oder Knochen) oder bösartige Infiltration von Rippen- oder Lungenfell (Pleura) oder des Herzbeutels (Perikard) sind nachweisbar (M1a).