Bauchspeicheldrüsenkrebs - Pankreaskarzinom

Was ist Bauchspeicheldrüsenkrebs – das sogenannte Pankreaskarzinom?

Die Bauchspeicheldrüse – auch Pankreas genannt – ist eine der größten Drüsen des menschlichen Körpers. Sie liegt unmittelbar unterhalb des Zwerchfells im hinteren Teil der Bauchhöhle, quer hinter dem Magen zwischen Milz und Zwölffingerdarm.

Die Bauchspeicheldrüse hat zwei sehr wichtige Funktionen: Sie produziert die Verdauungssäfte, die für die Aufschlüsselung und Zerkleinerung der Nahrung im Darm notwendig sind. Zum anderen bildet sie die Hormone Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel regulieren.

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) kann in jedem Bereich des Organs entstehen. Am häufigsten betroffen ist der Kopfanteil der Bauchspeicheldrüse. Die zahlreichen Formen von Bauchspeicheldrüsenkrebs hängen mit den verschiedenen Gewebetypen dieser Drüse zusammen.

In der Bundesrepublik Deutschland hat das Pankreaskarzinom einen Anteil von etwa drei Prozent aller Krebserkrankungen. Jedes Jahr erkranken hier rund 7.400 Männer und 7.600 Frauen.

Die meisten Betroffenen erkranken im höheren Lebensalter. Im Durchschnitt erkranken Männer mit 69 Jahren und Frauen mit 76 Jahren.

Bis heute sind diese bösartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse kaum therapierbar. Die Chance, nach Erkrankung fünf Jahre zu überleben, ist sehr gering.

Das Pankreaskarzinom stellt bei Frauen und bei Männern die vierthäufigste Krebstodesursache dar.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Die Ursachen für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs sind bisher nicht bekannt. Es gibt allerdings verschiedene Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen können. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen das Rauchen und ein erhöhter Alkoholkonsum. Auch Menschen, denen der Magen entfernt worden ist, haben nach derzeitigen Erkenntnissen ein erhöhtes Risiko für diese Erkrankung. Darüber hinaus spielen die Ernährung sowie genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Risikofaktor: Rauchen
Das Zigarettenrauchen ist als Risikofaktor für die Entwicklung eines Pankreaskarzinoms eindeutig nachgewiesen. Man schätzt, dass Raucher ein etwa 3,5fach erhöhtes Risiko haben, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Etwa ein Viertel aller Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse stehen ursächlich mit dem Rauchen in Zusammenhang.

Risikofaktor: Alkoholkonsum
Auch Alkohol scheint das Risiko für die Entwicklung von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erhöhen. Ein starker Alkoholkonsum erhöht das Erkrankungsrisiko bei Frauen und Männern um schätzungsweise das 2,5fache.

Risikofaktor: Vorerkrankungen
Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht vor allem bei Menschen, die an einer erblich bedingten Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) leiden. Patienten mit erblicher Pankreatitis entwickeln bis zum 70. Lebensjahr in bis zu 40 Prozent der Fälle ein Pankreaskarzinom.

Menschen, die sich in der Vergangenheit einer Magenoperation unterziehen mussten, haben ein drei bis siebenfach erhöhtes Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken.

Risikofaktor: Ernährung
Ernährungsfaktoren spielen vermutlich ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Eine fleisch- und fettreiche Ernährung ist möglicherweise mit einem erhöhten Krankheitsrisiko verbunden.

Risikofaktor: Genetische Faktoren
Es gibt Familien, in denen gehäuft Bauchspeicheldrüsenkrebs auftritt. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten gibt es jedoch keine erbliche Basis für die Entstehung eines Bauchspeicheldrüsenkarzinoms.

Welche Rolle spielt die Lebensweise für Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Neben den Faktoren Rauchen und erhöhter Alkoholkonsum mehren sich die Hinweise darauf, dass auch die Ernährung eine Rolle bei der Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs spielt.

Das Risiko steigt bei höherer Aufnahme von Cholesterin und Kohlenhydraten. Gemüse- und obstreiche Ernährung scheint das Risiko einer Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verringern. Betakarotin und Vitamin C können einen schützenden Effekt haben.

Wie wird die Diagnostik beim Bauchspeicheldrüsenkrebs durchgeführt?

Pankreaskarzinome werden häufig erst im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs ist es besonders wichtig, dass der Tumor rechtzeitig erkannt wird. Je früher er diagnostiziert wird, umso größer sind die Heilungschancen.

Karzinome der Bauchspeicheldrüse gehören zu den Krebserkrankungen, die im frühen Stadium nur selten Beschwerden machen. Diese wiederum sind nicht besonders charakteristisch. Die Beschwerden könnten andere, vergleichbar harmlose Ursachen haben.

Unspezifische Beschwerden können sein:
Nicht erklärbarer Gewichtsverlust, Schmerzen im Bauchbereich oder Rücken, Gelbsucht, Appetitverlust und Übelkeit, neu auftretende Diabetes oder Erbrechen

Für die Diagnostik werden folgende Verfahren eingesetzt:

  • der Bluttest
  • die Ultraschalluntersuchung
  • die Bestimmung der Tumormarker
  • die Endoskopie – also die Spiegelung von Magen, Zwölffingerdarm, Bauchspeicheldrüsen- und Gallengang
  • die Computertomographie und Kernspintomographie

Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt?

Je nach Ausprägung und Form der Krebserkrankung entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, welche Therapieform oder welche Kombination aus mehreren Behandlungsmethoden sinnvoll ist: die Operation, die Chemotherapie, die Strahlentherapie meist in Kombination mit der Chemotherapie. Auch das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten werden bei der Wahl der Behandlungsmethode berücksichtigt.

Die Chemotherapie zielt darauf ab, Krebszellen im ganzen Körper durch zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) abzutöten. Zytostatika wirken gut gegen rasch wachsende Zellen. Krebszellen haben die Eigenschaft, sehr schnell zu wachsen.

Zusatzinformation: Bauchspeicheldrüsenkrebs - Einteilung der Tumoren und Tumorstadien

Um die am besten geeignete Therapie bestimmen zu können, muss vor Therapiebeginn durch die beschriebene Diagnostik genau festgestellt werden, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat.

Das Tumorstadium wird ermittelt.

Hierfür verwendet man unter anderem die TNM-Klassifikation (siehe Tabelle unten). T steht für die Größe und Ausdehnung des Primärtumors, N = Nodus (lat.Knoten) steht für die Anzahl der befallenen Lymphknoten und M steht für das Auftreten und die Lokalisation von Fernmetastasen.

TNM-Klassifikation UICC 2010

T-Klassifikation

TX

Primärtumor nicht beurteilbar

T0

Kein Anhalt für Primärtumor

Tis

Carcinoma in situ

T1

Tumor begrenzt auf Pankreas, 2 cm oder weniger in größter Ausdehnung

T2

Tumor begrenzt auf Pankreas, mehr als 2 cm in größter Ausdehnung

T3

Tumor breitet sich jenseits des Pankreas aus, jedoch ohne Infiltration des Truncus coeliacus oder der A.mesenterica superior

T4

Tumor infiltriert Truncus coeliacus oder A.mesenterica superior



N-Klassifikation

NX

Regionäre Lymphknoten nicht beurteilbar

N0

Keine regionären Lymphknotenmetastasen

N1

Regionäre Lymphknotenmetastasen vorhanden



M-Klassifikation

MX

Fernmetastasen nicht beurteilbar

M0

Keine Fernmetastasen

M1

Fernmetastasen vorhanden

Diese TNM-Kriterien verwendet man zur Einteilung der Tumorerkrankung in verschiedene Stadien, die für die Festlegung der Therapie von entscheidender Bedeutung sind. Dabei stellt das Stadium I die geringste Tumorausbreitung dar, das Stadium IV steht für einen weit fortgeschrittenen Tumor mit Fernmetastasen. Die genaue Stadieneinteilung anhand der TNM-Kriterien ist in der unten gezeigten Tabelle aufgeführt.

STADIUM UICC 2010

TNM-System

Stadium 0

Tis

N0

M0

Stadium IA

T1

N0

M0

Stadium IB

T2

N0

M0

Stadium IIA

T3

N0

M0

Stadium IIB

T1-T3

N1

M0

Stadium III

T4

jedes N

M0

Stadium IV

jedes T

jedes N

M1

Weiterhin ist es nach einer Operation von entscheidender Bedeutung, ob der Tumor vollständig entfernt wurde. Hierzu wird der Operationserfolg wie folgt beschrieben:

R= Residualtumor (Resttumor nach OP)

RX

Residualtumor kann nicht bestimmt werden

R0

Kein Residualtumor

R1

Mikroskopisch nachgewiesener Residualtumor

R2

Sichtbarer Residualtumor