Diabetisches Fußsyndrom

Was ist Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus oder Zuckerkrankheit ist eine weit verbreitete Erkrankung in der deutschen Bevölkerung. Im Jahr 2011 gab es etwa 7 Millionen Diabetiker in Deutschland.

Der Diabetes mellitus gehört zu einer Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, die durch einen Mangel an Insulin zu erhöhten Blutzuckerwerten führen. Das in der Bauchspeicheldrüse produzierte Hormon Insulin bewirkt normalerweise eine Senkung des Blutzuckers. Es reguliert den Transport des Zuckers aus dem Blut in die Körperzellen. Beim Diabetes mellitus ist dieser Vorgang durch den Insulinmangel gestört und es wird nicht genügend Zucker aus dem Blut in die Zellen aufgenommen.

Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Haupttypen des Diabetes mellitus:

Typ 1 Diabetes

Typ 1 Diabetes wurde früher auch "jugendlicher Diabetes" genannt, weil die Erkrankung meist vor dem 40. Lebensjahr beginnt.  Da der Körper kaum oder kein Insulin mehr produziert, können die Zellen keinen Zucker mehr aufnehmen.

Typ 2 Diabetes

Typ 2 Diabetes wurde früher auch als "Altersdiabetes" bezeichnet. Der Körper kann in der Regel noch genügend Insulin produzieren, aber er kann das Insulin nicht richtig nutzen. Diesen Zustand nennt man Insulinresistenz. Mit der Zeit wird der Körper weniger Insulin produzieren, was zu einem Insulinmangel führt.

Anzeichen für einen Diabetes mellitus sind neben den hohen Blutzuckerwerten ein starkes Durstgefühl, vermehrtes Wasserlassen oder unerklärbare Gewichtsabnahme.

Auf Dauer können hohe Blutzuckerwerte verschiedene Organe des Diabetikers schädigen.

Mögliche Folgeerkrankungen eines Diabetes mellitus

  • Bluthochdruck

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Nierenschädigung
  • Nierenversagen
  • Erkrankung der Netzhaut des Auges
  • Erblindung
  • Nervenschädigung
  • Durchblutungsstörung der Extremitäten

Was ist ein diabetisches Fußsyndrom?

Das diabetische Fußsyndrom ist eine der Hauptkomplikationen des Diabetes mellitus.

Unter dem Begriff diabetisches Fußsyndrom oder diabetischer Fuß werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, die alle zu einer Amputation des betroffenen Fußes oder Beines  führen können, wenn eine rechtzeitige Behandlung ausbleibt.

Wie kommt es zu diesen schwerwiegenden Folgen des diabetischen Fußsyndroms?

Bereits geringfügige Verletzungen wie beispielsweise

  •  Falsches, zu enges Schuhwerk*

  • Druckstellen

  • Eintreten von Fremdkörpern

  • Eingewachsene Zehennägel

  • Verbrennungen durch zu heiße Fußbäder

führen zu Wunden am Fuß, die sich schnell infizieren und das Gewebe schädigen.

* Die häufigste Ursache für Fußverletzungen sind zu enge Schuhe. Alle Schuhe, die lokalen Druck auf den Fuß ausüben, sind zu meiden. Schuhe mit hartem Korkfußbett, mit Riemen oder harte Fußeinlagen sind ungeeignet.

Solche infizierten Wunden heilen beim Diabetiker schlecht, weil dieser Schmerzen durch diabetische Nervenschädigungen weniger wahrnimmt und das Bein oft schlecht durchblutet ist. Die Infektion breitet sich in tiefere Gewebsschichten aus, sodass ohne richtige Behandlung eine Amputation der gesamten Extremität notwendig werden kann.

Das vorrangige Ziel bei der Behandlung des diabetischen Fußsyndroms ist in jedem Fall die Vermeidung einer Amputation.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung eines diabetischen Fußsyndroms?

  • Lange Dauer und schwerer Verlauf des Diabetes
  • Starke Blutzuckererhöhung; schlechte Stoffwechseleinstellung
  • Nervenschädigung
  • Arterielle Verschlusskrankheit
  • Hohes Alter des Patienten
  •  Adipositas (= Fettleibigkeit) Grad 2 (Grad 2 bedeutet, der BodyMass Index (BMI) ist größer oder gleich 35; der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat derKörpergröße[m²])  
  • Gelenkerkrankungen (z. B. Hüfte/Knie) oder Gelenkimplantat mit Funktionsbeeinträchtigung

  • Barfuß laufen

  • eingeschränkte Gelenkmobilität, z. B. Fußdeformitäten

  • (erhebliche) Einschränkung der Sehschärfe

  • Hornhautschwielen

  • Unterdrückung der körpereigenen Abwehr mit Medikamenten einschließlich Glukokortikoide

  • mangelnde/falsche Fußpflege

  • motorische Funktionseinschränkung/Lähmung eines oder beider Beine

  • psychosoziale Faktoren

  • Seheinschränkungen

  • Suchtkrankheiten (z. B. Rauchen, Alkoholismus)

  • ungeeignetes Schuhwerk

  • vorangegangene Amputationen

Wie beugt man möglichen diabetischen Fußkomplikationen vor?

Sehr wichtig ist eine regelmäßige, mindestens alle drei Monate erfolgende Untersuchung der Füße des Diabetikers durch den behandelnden Arzt sowie die Schulung und Information von Risikopatienten.

Weitere vorbeugende Maßnahmen sind:

  • Tägliche Reinigung mit lauwarmem Wasser
  • Einreiben mit Feuchtigkeitscreme
  • Sachgerechte stumpfe Nagelpflege
  • Beseitigung von Schwielen
  • Versorgung mit geeignetem Schuhwerk

Wie wird die Diagnostik beim diabetischen Fußsyndrom durchgeführt?

Erste Hinweise auf ein diabetisches Fußsyndrom gibt die Inspektion der Füße des Diabetikers. Bei der Untersuchung wird auf Hautbeschaffenheit, Knochendeformierungen, Bewegungsverlust, Zeichen von Nervenschädigungen und Durchblutungsstörungen, Entzündungen und Verletzungen geachtet.

Anzeichen für ein diabetisches Fußsyndrom sind:

  • Brennen, Kribbeln in den Zehen und den Füßen
  • Schmerz bei ruhenden Füßen, vor allem nachts
  • Taubheitsgefühl
  • Fußrückenschwellung
  • Krallenzehen
  • Hornhautschwielen
  • Gangstörungen

Die Sensibilität der Nerven wird mit einem Stimmgabeltest untersucht. Dieser gibt Hinweise, ob eine Nervenschädigung vorliegt.

Eine Durchblutungsstörung wird durch das Tasten der Fußpulse und einer Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung festgestellt.

Wie wird das diabetische Fußsyndrom behandelt?

Bei Verletzungen am Fuß eines Diabetikers muss umgehend eine sachgerechte Diagnose und Behandlung in einer diabetologischen Fußambulanz erfolgen. Nach Bestimmung der Ursachen für das Entstehen der Fußwunde wird die notwendige Therapie eingeleitet.

Therapie des diabetischen Fußsyndroms bei Schädigung der Nerven

Abgestorbenes, infiziertes und schlecht heilendes Gewebe wird entfernt. Antibiotika werden zur Bekämpfung vorliegender bakterieller Infektionen eingesetzt.

Sehr wichtig ist es, den betroffenen Fuß durch spezielles Schuhwerk, Bettruhe, Gehstützen oder einen Rollstuhl vom Druck zu entlasten. So können die Wunden abheilen und keine neuen Druckstellen entstehen. Mit Hilfe dieser Therapiemaßnahmen heilt die Wunde in den allermeisten Fällen komplett ab.

Therapie des diabetischen Fußsyndroms bei Durchblutungsstörung

Liegt eine Durchblutungsstörung vor, muss die arterielle Durchblutung umgehend verbessert werden. Eine Abheilung der Wunden kann nur erfolgen, wenn eine ausreichende Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff gegeben ist. Dazu wiederum ist eine gute Durchblutung unabdingbar. 

Zur Behandlung von Durchblutungsstörungen stehen folgende Methoden zur Verfügung:

  • Aufdehnung eines verengten oder verschlossenen Gefäßes mit einem Ballonkatheter
  • Legen eines Bypasses
  • Medikamentöse Durchblutungssteigerung

Eine gesunde Lebensweise, gesunde Ernährung und mehr Bewegung unterstützen die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms. Risikofaktoren wie Rauchen und Übergewicht sollten vermieden werden. Die optimale Einstellung von Blutzucker, Blutfettwerten sowie des Blutdrucks ist wichtig.