Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Was sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen?

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die beiden Hauptvertreter chronisch entzündlicher Darmkrankheiten. Sie sind gekennzeichnet durch einen schubweisen Verlauf: Krankheitsphasen mit entzündlicher Aktivität und entsprechenden Beschwerden wechseln sich mit beschwerdefreien Intervallen ab. Auch über einen langen Zeitraum können Ruhephasen andauern.

Die Entstehung von chronischen Darmerkrankungen ist bis heute nicht gesichert. Eine endgültige Heilung ist nach dem momentanen Kenntnisstand nicht möglich.

Merkmale bei Morbus Crohn

Beim Morbus Crohn können sämtliche Abschnitte des Magen-Darm-Traktes betroffen sein. Die Entzündung kann auf alle Wandschichten der befallenen Darmabschnitte übergreifen. Die Ausbreitung ist ungleichmäßig, gesunde und entzündete Abschnitte wechseln sich ab. Darüber hinaus besteht eine Tendenz zu Gangbildungen in benachbartes Gewebe (Fisteln) und Eitereinschlüssen (Abszessen).

Meistens tritt Morbus Crohn im Alter zwischen 15 und 35 Jahren erstmals in Erscheinung. Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen. In Deutschland gibt es jährlich rund fünf Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Morbus Crohn ist bis heute nicht heilbar - es lassen sich lediglich die Beschwerden lindern.

Morbus Crohn ist eine schwere Erkrankung. In den beschwerdefreien Phasen ist zwar ein normales Alltagsleben möglich, aber ein akuter Schub ist oft nicht nur schmerzhaft, sondern zwingt die Betroffenen zur Bettruhe oder sogar zum Krankenhausaufenthalt. Morbus Crohn erhöht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Merkmale bei Colitis ulcerosa

Die Entzündung bei der Colitis ulcerosa ist auf den Dickdarm beschränkt und verläuft schubweise. Betroffen sind vor allem die oberflächlichen Schleimhautschichten im Dickdarm. Die Entzündung breitet sich gleichförmig vom Mastdarm unterschiedlich weit mundwärts im Dickdarm aus. Es entstehen entzündliche Geschwüre, die leicht bluten. Typische Krankheitszeichen sind blutiger Stuhl, Durchfälle und Leibschmerzen.

Die Colitis ulcerosa ist eine schwere Erkrankung. In den beschwerdefreien Phasen ist zwar ein normales Alltagsleben möglich, aber ein akuter Schub ist oft nicht nur schmerzhaft, sondern zwingt die Betroffenen zur Bettruhe oder sogar zum Krankenhausaufenthalt. Colitis ulcerosa erhöht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

An Colitis ulcerosa leiden insbesondere junge Erwachsene zwischen dem 16. und 25. Lebensjahr. In Deutschland tritt die Erkrankung rund vier Mal pro 100.000 Einwohner und Jahr auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Auch Kinder können erkranken.

Körperliche Beschwerden bei chronisch entzündlichen Darmerkankungen

Typische Beschwerden bei den Patienten sind Durchfälle und Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe. Es kann zur Ausscheidung von Schleim und Blut kommen. Merkmale eines Darmverschlusses können auftreten. Darüber hinaus kann der Patient an Symptomen wie Fieber, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Abgeschlagenheit leiden. Die Leistungsfähigkeit ist im Schub vielfach deutlich eingeschränkt.

Bei beiden Erkrankungen kommt es bei etwa der Hälfte der Patienten auch zu Veränderungen außerhalb des Verdauungstraktes: Hiervon sind insbesondere Gelenke, Haut, Augen sowie Leber und Gallenwege betroffen.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen?

Bis heute ist die genaue Krankheitsursache der chronisch entzündlichen Darmkrankheiten unklar. Es gilt aber als gesichert, dass die Entzündungen durch ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen bedingt sind:

Bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn handelt es sich nicht um typische Erbkrankheiten, doch scheinen verschiedene Gene die Grundlage für eine gewisse Krankheitsbereitschaft zu haben.

Wahrscheinlich besteht eine Fehlfunktion des Immunsystems bei der Auseinandersetzung mit Bakterien der Darmflora. Ernährungsgewohnheiten können die Erkrankung hervorrufen. Die meisten Betroffenen vertragen bestimmte Lebensmittel nicht. Experten vermuten, dass Rauchen das Erkrankungsrisiko erhöht.

Psychosozialer Stress steht bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen im Verdacht, bei entsprechender Veranlagung zur Krankheitsaktivierung zu führen.

Welche Rolle spielt die Lebensweise für chronisch entzündliche Darmerkrankungen?

Es gibt keine spezielle Diät oder Ernährungstherapie, um eine Ruhephase der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zu erhalten. Die Beschwerden bei akuter Entzündung können allerdings durch eine vorübergehende Ernährungsumstellung auf eine leicht verdauliche, ballaststoffarme Kost gelindert werden. Vielfach kommt es auch zu Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln.

Bei vielen Betroffenen treten im Krankheitsverlauf spezifische Mangelzustände wie Blutarmut, Eisen- oder Folsäuremangel oder verminderte Knochendichte auf. Zur Stärkung können Präparate eingenommen werden.

Grundsätzlich sollte der Patient auf ausreichende Erholungsphasen im Alltag achten und nach Möglichkeit Stress vermeiden.

Wie wird die Diagnostik bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen durchgeführt?

Bei der körperlichen Untersuchung prüft der Arzt, ob ein Druckschmerz im Bereich des Bauches vorliegt. Zudem untersucht er die Mundhöhle und den After des Patienten auf die typischen Krankheitszeichen.

Eine Blut-Untersuchung gibt Hinweise, wie stark die Entzündung des Darms ausgeprägt und wie hoch der Blutverlust ist. Dazu werden anfangs und im Verlauf Entzündungsparameter (CRP) gemessen und ein Blutbild erstellt. Ergänzend kann der Arzt das Blut auf erhöhte Leberwerte hin untersuchen.

Der Arzt untersucht weiterhin den Bauch per Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) - sowohl bei der Anfangs- als auch der Verlaufsdiagnostik.

Durch eine bakteriologische Stuhl-Untersuchung kann eine Infektion mit krankheitsverursachenden Darmbakterien als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden.

Die beste Untersuchungsmethode für die Diagnose Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Dabei werden aus jedem untersuchten Darmsegment Schleimhautproben gewonnen und im Labor begutachtet. So lässt sich abklären, ob eine Entzündung vorliegt und wie diese beschaffen ist.

In einigen Fällen muss man die Diagnostik im Verlauf der Erkrankung wiederholen. Bei der Diagnosestellung ist es wichtig, andere entzündliche, toxische, gefäß- oder erregerbedingte Ursachen sowie Darmkrebs auszuschließen.

Wie werden chronisch entzündliche Darmerkrankungen behandelt?

Für die Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen werden in erster Linie Medikamente eingesetzt. Ziel der Behandlung ist es, eine Linderung der Beschwerden für den Patienten zu erreichen. Die Aktivität der Entzündung ist zu dämpfen und für lange, beschwerdefreie Intervalle zu sorgen.

Die Therapie richtet sich grundsätzlich nach dem Schweregrad, dem Ausbreitungsmuster der Erkrankung, dem Ansprechen auf vorangegangene Therapien sowie der individuellen Patientensituation.

In einigen Fällen lässt sich eine chronisch entzündliche Darmerkrankung nicht mehr mit Medikamenten kontrollieren. In diesem Fall, oder wenn Darmkrebs beziehungsweise Krebsvorstufen nachgewiesen wurden, ist eine Operation unumgänglich.

Links zum Thema chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Für Ärzte

Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V.

www.dgvs.de

Kompetenznetz chronisch entzündliche Darmerkrankungen e.V.

www.kompetenznetz-ced.de

Für Patienten

Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung DCCV e.V.

www.dccv.de

Medikamenteninformationen

www.kompetenznetz-ced.de/medikamenteninformation-41.html

European Federation of Crohn´s and Ulcerative Colitis Associations

www.efcca.org

European Crohn´s & Colitis Organisation           

www.ecco-ibd.eu

medac GmbH als Förderer

Kompetenznetz Darmerkrankungen CED

www.kompetenznetz-ced.de