Chronische Schmerzen

Was sind chronische Schmerzen?

Jeder hat in seinem Leben irgendwann einmal Schmerz empfunden. Entweder nach einem Sturz, nachdem man sich den Kopf gestoßen oder mit einem Messer in den Finger geschnitten hat. Dieser akute Schmerz vergeht bald.

Chronische Schmerzen sind über die Phase des akuten Schmerzes hinaus anhaltende Empfindungen über einen Zeitraum von sechs Monaten und mehr. Schmerz beinhaltet einerseits eine „sensorische Komponente“, die uns Verletzung und Destabilisierung als körperliche Empfindung signalisiert. Darüber hinaus haben alle Schmerzen eine „affektive Komponente“, die wir als Gefühl von Angst, Depression, Verzweiflung und Sinnverlust erleben.

Wie es ist, wenn der Schmerz nicht vorübergeht und unerträglich wird? Dies übersteigt die normale Vorstellungskraft und kann nur von den Betroffenen wirklich nachvollzogen werden.

Schmerzpatienten gelangen an die Grenze dessen, was sie aushalten können und fürchten oft den Schmerz weit mehr als die eigentliche Erkrankung. Vor allem die Lebensqualität ist stark eingeschränkt. Oft mündet der Schmerz als beherrschendes Krankheitssymptom in der sozialen Isolation. Der Patient zieht sich von Freunden zurück und geht nicht mehr seinen Hobbys nach.

Mit den Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie lässt sich bei allen Patienten der Schmerz entscheidend lindern und in vielen Fällen kann eine weitgehende Schmerzfreiheit erreicht werden.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung von chronischen Schmerzen?

Bei Tumorerkrankungen sind chronische Schmerzen besonders häufig. Etwa 70 Prozent der Tumorpatienten leiden unter starken und stärksten Dauerschmerzen. Dabei können die Schmerzen unabhängig vom Stadium der zugrundeliegenden Tumorerkrankung auftreten. Sie sind keinesfalls immer ein Zeichen für das Fortschreiten der Erkrankung.

Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen leiden häufig unter Knochenmetastasen. In 60 – 90 Prozent der Fälle treten hierbei Knochenschmerzen auf. Die Entstehung dieser Schmerzen ist komplex.

Welche Rolle spielt die Lebensweise bei chronischen Schmerzen?

Es ist wichtig, dass der Schmerzpatient sein eigenes Verhalten und Erleben untersucht und aktiv gegen Schmerz steigernde Reaktionen angeht. 

Patienten können schmerzreduzierende Eigenaktivitäten für ihr individuelles Schmerzproblem entwickeln:

-         Gewichtnormalisierung

-         Ergonomische Optimierung des Arbeitsplatzes

-         Stoßdämpfendes Schuhwerk

-         Anwendung von verordnungsfähigen Hilfsmitteln

-         TNS (Transkutane Nervenstimulation)

-         Ausdauertraining und Sport

-         Muskelstabilisierendes Gerätetraining

-         Entspannungsverfahren (AT, PMR, MBSR, Yoga u. a.)

-         Vermeidung einer schmerzverstärkenden Eigenmedikation

-         Vermeidung schmerzverstärkender Eigenüberforderung

-         Aktivierung sozialer und kultureller Aktivitäten

-         Entwicklung stabilisierender zwischenmenschlicher Beziehungen

Wie wird die Diagnostik bei chronischen Schmerzen durchgeführt?

Voraussetzung für jede erfolgreiche Schmerztherapie ist eine umfassende Diagnostik. Apparativ ist das Schmerzempfinden nicht fassbar und kann häufig nicht ausreichend in seiner Bedeutung bewertet werden. Darum ist das ausführliche Gespräch mit dem Patienten entscheidend.

Empfindet der Patient über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen einen anhaltenden Schmerz oder ist Tumorpatient, sollte er sich umgehend an seinen behandelnden Arzt wenden.

Für die richtige Therapie ist die Ursache des Schmerzes wichtig. Im ausführlichen Gespräch mit dem Patienten ermittelt der behandelnde Arzt den Ursprung. Entsprechend der Schmerzempfindung leitet der dann die passende Schmerztherapie ein.

Wie wird der chronische Schmerz behandelt?

Die erfolgreiche Behandlung chronischer Schmerzerkrankungen erfordert häufig den zeitgleichen Einsatz unterschiedlicher Therapeuten, die Anwendung mehrerer Therapieverfahren und patienteneigene Aktivitäten.

Eine angemessene Schmerzbehandlung legt den Grundstein dafür, dem Patienten durch eine weitestgehend schmerzfreie Zeit, Kraft und Energie zu geben. Die Schmerzbehandlung sollte so früh wie möglich einsetzen, da lang andauernde unbehandelte Schmerzen weit schwieriger zu therapieren sind.

Im Mittelpunkt jeder Schmerzbehandlung steht das Bestreben, die Ursache des Schmerzes gezielt zu bekämpfen.  Besteht keine Möglichkeit, den Schmerz auf Basis der Ursache oder schmerzregulierend zu behandeln, ergibt sich eine symptomatische Schmerztherapie. Diese zielt auf eine Unterdrückung oder ausreichende Linderung des Symptoms „Schmerz“. Eingesetzt werden Medikamente, operative Eingriffe, radiologische und nuklearmedizinische Verfahren sowie invasive Verfahren.

Während akute Schmerzen vor allem mit schnell und kurz wirkenden Medikamenten behandelt werden, reichen diese bei chronischen starken Schmerzen nicht aus. Hierbei sind vom Arzt Medikamente einzusetzen, deren Wirkung möglichst lang anhält. Geeignete Schmerzmittel in angemessener Dosierung ermöglichen, dass der Betroffene dauerhaft keine oder kaum Schmerzen empfindet.

Der Arzt ermittelt gemeinsam mit dem Patienten die Therapie-Stufe und die entsprechende Medikation, bis eine zufriedenstellende Schmerzlinderung ohne hohe Nebenwirkungen erreicht ist.

 

Die medikamentöse Schmerztherapie kann in drei Stufen eingeteilt werden:

  • Stufe 1: Bei leichten Schmerzen kann mit einer regelmäßigen Gabe von nicht-opioidhaltigen Schmerzmitteln begonnen werden. Diese Medikamente wirken insbesondere am Ort der Schmerzentstehung.
  • Stufe 2: Ist die Wirkung dieser Schmerzmittel nicht ausreichend, können zusätzlich schwache Opioide gegeben werden. Opioide wirken insbesondere im zentralen Nervensystem.
  • Stufe 3: Bei starken und stärksten Schmerzen, die mit Stufe 1 oder Stufe 2 Medikamenten nicht zu einer ausreichenden Schmerzlinderung führen, werden starke Opioide wie z.B. Morphin notwendig.

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