| Fachbereich Onkologie - Indikationen |
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Gliome
Weiterführende Informationen:
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| Epidemiologie
Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 6-14 pro 100.000 Einwohner an
einem primären Hirntumor. Die Hälfte dieser intrakraniellen
Neoplasien machen Gliome aus, die von der Glia, dem Stützgewebe
des ZNS, ausgehen. Jährlich kommt es zu ca. 4-5.000 Neuerkrankungen
pro Jahr. Das entspricht ungefähr 1-2% aller Krebserkrankungen.
Damit sind primäre Hirntumoren insgesamt eine eher seltene Krankheitsform,
die aber trotz medizinischer Fortschritte meistens tödlich verläuft.
Männer sind in der Regel häufiger betroffen als Frauen (m/w
= 1,2-1,9:1). Signifikante Risikofaktoren, Umwelteinflüsse oder
Lebensgewohnheiten, die zu einem primären Hirntumor führen
können, sind nicht gesichert.
Zu den am häufigsten auftretenden Gliomen zählen:
- Oligodendrogliome:
Oligodendrogliome entstehen aus den Nervenfasern umhüllenden
Oligodendroglia und sind vorwiegend im Frontallappen des Großhirns
lokalisiert. Etwa 5% aller primären Hirntumoren sind oligodendrogliale
Tumoren, mit einer jährlichen Inzidenzrate von 0,5 Neuerkrankungen
pro 100.000 Personen und einem Manifestationsalter von 35-45 Jahren.
- Astrozytome:
Die Astrozytome gehören zu den häufigsten Tumoren
des Gehirns (75%) und treten vorwiegend im mittleren Lebensalter (~51
Jahre) auf. Höhergradige Astrozytome (WHO-Grad-III) entwickeln
sich in der Hälfte der Fälle de novo, d.h. aus
Astrozyten, den sternförmigen Stützzellen des Gehirns, und
in der anderen Hälfte der Fälle aus einem bestehenden niedriggradigen
Astrozytom (WHO-Grad-II).
- Mischgliome (Oligoastrozytome):
Werden bei einer histologischen Untersuchung von Tumorgewebe
neben der oligodendroglialen Komponente noch zusätzliche Anteile
astrozytärer Zellen diagnostiziert, so liegt ein Mischgliom bzw.
ein Oligoastrozytom (WHO-Grad-II-III) vor. Die minder vertetene Komponente
sollte dabei mindestens 15-20% des Tumorparenchyms ausmachen. 5-10%
aller Gliome sind Oligoastrozytome und überwiegend im Großhirn
lokalisiert. Der Altersgipfel umfasst das 35. bis 50. Lebensjahr.
- Glioblastom (Glioblastoma multiforme):
Etwa 25% aller Hirntumore sind Glioblastome (WHO-Grad-IV)
mit 2-3 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Das mittlere
Alter bei Diagnosestellung beträgt 53 Jahre. Das Glioblastom
kann entweder de novo entstehen (primäres Glioblastom)
oder aus einer kontinuierlichen Progression aus Astrozytomen niedrig
malignen Grades (sekundäres Glioblastom). Es gehört somit
zu der Gruppe der Astrozytome und stellt mit einem Anteil von 50%
auch das häufigste Gliom dar.
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WHO-Klassifikation
Die in der Onkologie übliche Klassifikation nach dem TNM-Schema
ist auf Hirntumoren nicht sinnvoll anwendbar, da fast nie Metastasen
auftreten. Somit erfolgt die Einteilung der Hirntumoren nach den WHO-Kriterien,
die die jeweiligen Ursprungszellen (Oligodendrozyten, Astrozyten) sowie
den histologischen Malignitätsgrad (niedriggradig: WHO-Grad I-II,
hochgradig: WHO-Grad III-IV) berücksichtigen.
Ungefähr zwei Drittel aller Gliome weisen einen hohen Malignitätsgrad
aus, die niedrig malignen Gliome etwa ein Drittel.
Grad |
Tumorentität |
Beschreibung |
I |
Pilozytisches Astrozytom
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Tumor gutartig, Zellen gut differenziert,
Rosenthal-Fasern, niedriges Proliferationspotential, gute Abgrenzung
gegenüber dem benachbarten Hirnparenchym, günstige Prognose
(Möglichkeit einer Heilung nach alleiniger Operation)
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II |
Astrozytom, Oligodendrogliom, Oligoastrozytom
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Zellen mäßig differenziert,
keine Mitosen, langsam aber infiltrativ wachsende Tumoren, Rezidivneigung
erst nach mehreren Jahren, charakteristisch ist eine Progressions-tendenz
hin zu höheren Malignitätsgraden
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III |
Anaplastisches Astrozytom-/ Oligodendrogliom/
Oligoastrozytom
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Deutliche histologische Merkmale der
Anaplasie, proliferationsaktiv, invasiv wachsend, keine Nekrosen,
Rezidivneigung meist innerhalb weniger Jahre |
IV |
Glioblastoma multiforme |
Zellen sind undifferenziert, häufige
Mitosen und Nekrosen, Pleomorphismus, hochgradige histopathologische
Malignität, hohe Zelldichte, sehr kurze Entwicklungsdauer,
rapides invasives Wachstum, Rezidivbildung meist innerhalb der
ersten 12 Monate |
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Prognose
Zu den wichtigsten Prognosefaktoren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen,
gehören Alter, Karnofsky-Index und Malignitätsgrad. So gilt
ein Alter von unter 60 Jahren bei Diagnosestellung als prognostisch
günstig bzgl. längeren Überlebenszeiten . Auch ein guter
Allgemeinzustand wirkt sich günstig auf den Krankheitsverlauf aus,
d.h. Patienten mit einem postoperativen Karnofsky-Wert von über
70 zeigen ein verlängertes Überleben. Ebenfalls für einen
günstigen Krankheitsverlauf entscheidend ist der Malignitätsgrad
nach WHO-Klassifikation, d.h. ein höherer Malignitätsgrad
wirkt sich prognostisch negativ aus.
Weitere wichtige prognostische Faktoren sind das Ausmaß der Tumorresektion,
die Strahlentherapie, die Strahlendosis sowie die Chemotherapie.
- Oligodendrogliome:
die publizierten Überlebenszeiten von Oligodendrogliomen
variieren deutlich in der wissenschaftlichen Literatur. Die 5-Jahres-Überlebensrate
von Oligodendrogliomen WHO- Grad-II wird zwischen 38% und 83% angegeben.
WHO-Grad-II Oligodendrogliome zeigen eine Tendenz zur malignen Entartung
und können zu anaplastischen Oligodendrogliomen (WHO-Grad-III)
werden, die eine 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 23% und 66%
aufweisen.
Ein positiver Prädiktor bezüglich Therapieansprechen und
Überlebensrate stellt der Verlust von genetischem Material auf
dem kurzen Arm des Chromosoms 1 und auf dem langen Arm des Chromosoms
19 (LOH 1p/19q) bei Oligodendrogliomen dar. So konnte bei Patienten,
deren Tumoren diese genetischen Abberationen zeigten, ein besseres
Ansprechen auf eine Chemotherapie bzw. eine Steigerung der Überlebenszeit
festgestellt werden als bei Patienten, deren Tumoren keine genetischen
Deletionen aufwiesen.
In der Regel zeigen Oligodendrogliome einen prognostisch günstigeren
Verlauf als Astrozytome gleichen Malignitätsgrades.
- Astrozytome:
Bei Patienten mit einem Astrozytom (WHO-Grad-II) beträgt
die 5/10-Jahres-Überlebensrate 65% bzw. 40% mit einer medianen
Überlebenszeit von durchschnittlich 4 Jahren. Für anaplastische
Astrozytome (WHO-Grad-III) werden 1- bzw. 5-Jahres-Überlebensraten
von durchschnittlich 60%-70% bzw. 30% und mediane Überlebenszeiten
von 2-4 Jahren angegeben.
- Mischgliome (Oligoastrozytome):
Für Oligoastrozytome (WHO-Grad-II) wurden postoperative
Überlebenszeiten von 4-6 Jahren mit einer 5-Jahres-Überlebensrate
von 58% gezeigt.
Die mediane Überlebenszeit für Patienten mit anaplastischen
Oligoastroyzytomen (WHO-Grad-III) beträgt knapp 3 Jahre und das
5/10-Jahres-Überleben 36% bzw. 9%.
- Glioblastom (Glioblastoma multiforme):
Das Glioblastom ist der prognostisch ungünstigste Tumor.
Diese Entität ist der bösartigste Hirntumor mit einer medianen
Überlebenszeit von 12-15 Monaten. Die 1- bzw. 5-Jahres-Überlebensrate
beträgt auch heute noch zwischen 30%-40% bzw. unter 5%.
Von prädiktiver Aussage ist der MGMT-Methylierungsstatus der
Patienten. Diejenigen, die eine Methylierung des MGMT-Promoter-Gens
aufweisen, besitzen eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit
bzw. ein höheres Ansprechen auf eine Radiochemotherapie mit Temozolomid.
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Symptomatik
Bedingt durch die fortschreitende Raumforderung der sich im neuronalen
Gewebe ausbreitenden Hirntumoren erhöht sich der intrakranielle
Liquordruck. Damit verbunden sind anfängliche Symptome wie z. B.
anhaltende und ungewohnte Kopfschmerzen besonders beim Aufrichten und
Bücken, Somnolenz, Übelkeit und Erbrechen sowie eine Stauungspapille.
Im fortgeschrittenen Stadium können durch Nachbarschaftsreaktionen
und Massenverschiebungen u. a. epileptische Anfälle, neurologische
Ausfälle (Lähmungs-erscheinungen, Aphasie, Seh-, Koordinations-
und Sprachstörungen), Krampfanfälle sowie Persönlichkeitsveränderungen
auftreten.
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Diagnostik
Für die Diagnostik werden folgende Untersuchungen herangezogen:
- Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese)
- klinisch-neurologische Untersuchung (Ergebnis: Karnofsky-Index)
- histologische Diagnose (Erhalt von Tumorgewebe über eine stereotaktische
Biopsie bzw. Entnahme während einer Operation)
- bildgebende / neuroradiologische Diagnostik:
CT (Computertomographie), MRT (Magnetresonanztomographie)
mit oder ohne Kontrastmittel, MRs (Magnetresonanz-Spektroskopie),
PET (Positronenemissions-tomographie) sowie SPECT (single
photon emission computed tomography)
- EEG (Elektroenzephalographie/-gramm)
- Liquordiagnostik
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Therapie
Operation
Der Stellenwert der Resektion von operablen malignen Gliomen umfasst
im Wesentlichen:
- die Linderung von neurologischen und psychopathologischen Symptomen
(z.B. durch Entlastung des Hirndrucks)
- die Reduktion der Tumorgröße als Voraussetzung für
- eine Verlängerung der Überlebenszeit
- die Wirksamkeit einer nachfolgenden Radio-/Chemotherapie
- die Gewinnung von Biopsiematerial, welches für die genaue Gradbestimmung
notwendig ist.
Aufgrund des oftmals infiltrativen Wachstums der malignen Gliome und
der daraus resultierenden Gefahr einer Schädigung des gesunden
Hirngewebes ist eine vollständige Entfernung der Tumormasse nahezu
unmöglich. So kommt es fast immer zur Bildung von Rezidiven, die
in mehr als 90% der Fälle im Bereich der ursprünglichen Tumorregion
entstehen. Allerdings wurde in Studien belegt, dass die rezidivfreie
Überlebenszeit bzw. das progressionsfreie Intervall vom Ausmaß
der Tumorreduktion abhängig ist. So führt allein die Operation
zu einem Überlebensgewinn von 4-6 Wochen. Vor allem bei hochmalignen
Gliomen ist die Operation die Therapie der Wahl.
Allerdings sind der Tumorresektion in bestimmten Fällen Restriktionen
gesetzt. Wenn z. B. der Tumor in einem für den Chirurgen unzugänglichen
Gehirnareal lokalisiert oder auf mehrere Gehirnareale verteilt ist,
so ist die Tumorresektion nicht indiziert . In solchen Fällen wird
die stereotaktische Biopsie zu diagnostischen Zwecken eingesetzt.
Strahlentherapie
Zusammen mit der operativen Entfernung des Tumors stellt die anschließende
Radiotherapie die wichtigste Therapieoption maligner Gliome dar. Der
Behandlungserfolg hängt zum einen von der Strahlenempfindlichkeit
der malignen Zellen und zum anderen von der Strahlenverträglichkeit
der gesunden umgebenden Strukturen ab.
Obwohl höhergradige Hirntumoren eine mäßige bis geringe
Radiosensitivität aufweisen, verlängert die postoperative
Strahlentherapie die Überlebenszeit der Patienten bei guter Lebensqualität.
So besteht der therapeutische Gewinn im Vergleich zur alleinigen Operation
in einer Verlängerung der medianen Überlebenszeit von 27 auf
36 Monate bei anaplastischen Astrozytomen.
Als Standardtherapie wird eine lokale, konventionelle, fraktionierte
Strahlenbehandlung mit einer Totaldosis von 54-60 Gy, bestehend aus
mehr als 20 Einzelfraktionen mit 1,8-2,0 Gy, in einem Zeitraum von 6
Wochen eingesetzt. Dabei wird das Tumorbett mit einem Sicherheitsabstand
von 2-3 cm bestrahlt.
Die Ganzhirnbestrahlung ist aufgrund der hohen Rezidivneigung im ursprünglichen
Tumorgebiet obsolet. Auch die fokussierte, dosiseskalierte Strahlentherapie
erzielt gegenüber der konventionellen Strahlentherapie keine besseren
Therapieergebnisse, ebenso wenig wie der Einsatz von Strahlensensitizern
oder Neutronenstrahlung.
Chemotherapie
Die Chemotherapie von malignen Gliomen wird entweder während und/oder
nach der postoperativen Strahlentherapie bzw. bei Progression verabreicht.
- Oligodendrogliome, Oligoastrozytome (WHO-Grad-II-III)
Da niedriggradige Oligodendrogliome und -astrozytome chemosensitive
Tumoren darstellen, ist in dieser Situation radikales chirurgisches
Vorgehen weniger indiziert als eine Chemo- oder Strahlentherapie.
Bezüglich der Chemotherapie werden Oligodendrogliome und Oligoastrozytome
gleich behandelt, da die oligodendrogliale Komponente im Vergleich
zur reinen astrozytären Komponente besser auf eine Chemotherapie
anspricht. Die Chemotherapie nach dem PCV-Schema (siehe Kapitel VII.
Therapieschemata) kann bei niedriggradigen Oligodendrogliomem und
-astrozytomen (WHO-Grad-II) auch als Primärtherapie eingesetzt
werden. Hier konnten sehr gute Ergebnisse erzielt werden mit 5-Jahres-Überlebensraten
von 50% und einem medianen progressionsfreien Überleben von bis
zu 78 Monaten.
Bei Patienten mit anaplastischen Oligodendrogliomen und -astrozytomen
(WHO-Grad-III) führte die PCV-Therapie zu einer Verlängerung
des progressionsfreien Überlebens von durchschnittlich 24 Monaten
und einer medianen Überlebensrate von 42 Monaten. Dabei ist es
irrelevant, ob die PCV-Therapie vor oder nach der Strahlenbehandlung
begonnen wurde. Alternativ zum PCV-Therapieschema wird auch Temozolomid
bei der Behandlung anaplastischer Oligodendrogliome und Oligoastrozytome
eingesetzt.
Im Falle einer Rezidivsituation haben sich beide Therapieformen (PCV
und Temozolomid) bewährt.
- Astrozytome (WHO-Grad II-III)
Die Standardtherapie der niedriggradigen Astrozytome (WHO-Grad-II)
besteht im Wesentlichen aus der Tumorresektion und der Strahlentherapie.
Je nach Lokalisation und Art des Astrozytoms (z.B. gut beschrieben,
infiltrativ oder raumfordernd) können entweder mehrmaliges neurochrirurgisches
Vorgehen oder eine alleinige Strahlentherapie sinnvoll sein. Im Gegensatz
dazu ist die Chemotherapie in der Primärtherapie nicht indiziert
bzw. nur dann, wenn operative und strahlentherapeutische Optionen
fehlen. In der Rezidivsituation nach Strahlentherapie ist dagegen
die Chemotherapie nach dem PCV-Schema gerechtfertigt.
Obwohl eine adjuvante Standardchemotherapie beim anaplastischen Astrozytom
(WHO-Grad-III) zur Zeit nicht etabliert ist, sprechen Metaanalysen
für die Wirksamkeit einer Chemotherapie mit einer Verlängerung
des medianen Überlebens von 6-18 Monaten. Daher können anaplastische
Astrozytome zur postoperativen Strahlentherapie entweder nach dem
PCV-Schema, mit Temozolomid oder einer ACNU-Monotherapie bzw. ACNU
in Kombination mit VM26 (seit 09.01.2006 in Deutschland nicht mehr
zugelassen) behandelt werden.
Für das Rezidiv nach Strahlentherapie ist die Wirksamkeit einer
Chemotherapie belegt, d. h. anaplastische Astrozytome werden wie Oligodendrogliome
und -astrozytome nach dem PCV-Schema oder mit Temozolomid therapiert.
- Glioblastom (WHO-Grad-IV):
Nach der Veröffentlichung der EORTC Studie 26981 [
Stupp R et al., N Engl J Med. 2005] besteht die Primärtherapie
des Glioblastoms für Patienten bis 65 Jahren in gutem Allgemeinzustand
aus der Gabe von Temozolomid während und nach der postoperativen
Strahlentherapie. Das mediane Überleben wurde von 12,1 auf 14,6
Monate erhöht und die 2-Jahres-Überlebensrate stieg von
10% auf 26%. Die Therapie eines Glioblastomrezidivs besteht aus der
Gabe von PCV oder ACNU+VM26, wenn die Primärtherapie aus Strahlentherapie
und Temozolomid versagt hat.
In der nachfolgenden Tabelle sind die oben genannten Behandlungsmöglichkeiten
bei Gliomen zusammengefasst:
Tumorentität |
Primärtherapie |
Rezidivtherapie |
Astrozytom
WHO-Grad-II |
Resektion* + Abwarten
oder Resektion * + Strahlentherapie |
Resektion + Strahlentherapie
oder Chemotherapie (PCV)
oder Abwarten
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Oligodendrogliom
Oligoastrozytom
WHO-Grad-II |
Resektion* + Abwarten
oder Resektion * + Chemotherapie (PCV)
oder Strahlentherapie |
Resektion + Chemotherapie (PCV/TMZ)
oder Strahlentherapie
oder Abwarten
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Anaplastisches
Astrozytom
WHO-Grad-III
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Resektion* + Strahlentherapie und/oder
Chemotherapie (PCV/ ACNU/ ACNU+VM26 1/TMZ) |
Resektion + Chemotherapie (PCV/TMZ)
oder Strahlentherapie |
Anaplastisches
Oligodendrogliom,
Oligoastrozytom
WHO-Grad-III
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Resektion*+ Chemotherapie (PCV/TMZ)
oder Strahlentherapie
oder kombinierte Behandlung |
Resektion + Chemotherapie (PCV/TMZ)
oder Strahlentherapie |
Glioblastom
WHO-Grad-IV |
Resektion* + Strahlentherapie + Chemotherapie
(TMZ) |
Resektion + Chemotherapie
(PCV / ACNU+VM26¹ / TMZ)
oder Strahlentherapie
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*Resektion = Resektion/Biopsie
¹VM26 (Teniposid) ist seit dem 09.01.2006 in Deutschland nicht
mehr zugelassen
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Therapieschemata
PCV-Schema:
Am 1. Tag eines jeden Zyklus erhalten Patienten Cecenu®
(110 mg/m 2, oral), am Tag 8-21 Procarbazin (60 mg/m 2, oral) und an
den Tagen 8 und 29 Vincristin (1,4 mg/m 2, intravenös). Anschließend
folgen 4 Wochen Pause. Das Blutbild wird während der Therapie und
in der vierwöchigen Pause wöchentlich kontrolliert. Die Chemotherapie
wird weitergeführt, wenn die Leukozytenwerte über 3.000/µl
und die Thrombozytenwerte über 10.000/ml annehmen.
Weitere Chemotherapieprotokolle in der Gliombehandlung sind in der
folgenden Tabelle aufgeführt:
| Protokoll |
Dosierung |
| PCV |
Procarbazin |
60 |
mg/m² |
p.o. |
d8-21 |
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Cecenu® |
110 |
mg/m² |
p.o. |
d1 |
| |
Vincristin |
1,4 |
mg/m² |
i.v. |
d8 + d29 |
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alle 6-8 Wochen |
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| ACNU-Monotherapie |
ACNU |
100 |
mg/m² |
i.v. |
d1 |
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alle 6 Wochen |
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| ACNU +VM-26¹ |
ACNU |
90 |
mg/m² |
i.v. |
d1 |
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VM-26 |
60 |
mg/m² |
i.v. |
d1-3 |
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alle 6 Wochen |
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| Temozolomid (TMZ) |
konkomitante Radiochemotherapie: |
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TMZ |
75 |
mg/m² |
p.o. |
d1-42 |
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adjuvante TMZ-Therapie: |
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TMZ |
150 |
mg/m² |
p.o. |
d1-5 (1 Zyklus) |
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TMZ |
200 |
mg/m² |
p.o. |
d1-5 |
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(2-6 Zyklen) |
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¹VM26 (Teniposid) ist seit dem 09.01.2006 in Deutschland nicht
mehr zugelassen
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Laufende Studien zu
Lomustin
· Vesper J1 et al., Graf E2, Tilgner
J3, Trippel M1, Wille C1, Nikkhah G1,
Ostertag CB1, Retrospective analysis of treatment
outcome in 315 patients with oligodendroglial brain tumors.
1Abteilung Stereotaktische Neurochirurgie, Universitätsklinikum
Freiburg,
2Zentralinstitut für Klinische Forschung, Freiburg,
3Neurochirurgische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg
(submitted in Clin Cancer Research).
Phase I:
· NOA-07
Multizentrische, populationsbasierte, prospektive Pilotstudie
(Phase I) zur Therapie von Medulloblastomen des Erwachsenenalters
Phase II:
· NOA-05
Multizentrische, einarmige Phase II-Studie zur Behandlung der
Gliomatosis cerebri mit einer first-line Chemotherapie (PC) und Strahlentherapie
Phase III:
· NOA-04
Multizentrische, randomisierte, prospektive Phase-III-Studie
der sequentiellen Radiochemotherapie oligoastrozytärer Tumoren
des WHO-Grades-III mit PCV oder Temozolomid
· MRC-BR12
Mulizentrische, randomisierte Phase-III-Studie zum Vergleich
Temozolomid vs PCV bei Patienten mit rezidivierenden malignen Gliomen
· RTOG-9813
Mulizentrische, randomisierte Phase-III-Studie zum Vergleich
einer Temozolomid-Radiotherapie vs Carmustin oder Lomustin in Patienten
mit anaplastischen Astrozytome oder gemischten Gliome
· SIOP-PNET-4
Randomisierte, multizentrische, prospektive Phase-III-Studie
zur Behandlung von Kindern mit Medulloblastomen mit verschiedenen
Strahlentherapieregimen in Kombination mit Chemotherapie
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Links / Weiterführende
Informationen
· The 5-ALA-Glioma-Study-Group
· NOA
· EORTC
· RTOG
· Deutsche
Hirntumorhilfe e.V.
Leitlinien Hirntumoren:
· Deutsche
Krebsgesellschaft e.V.
· AWMF
· NOA
· DGHO
· Südwestdeutsches
Tumorzentrum
Cecenu® (Lomustin):
Ausführliche Informationen zu den Anwendungsgebieten, Gegenanzeigen
und Nebenwirkungen finden Sie in der
Cecenu®-Fachinformation.
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Weitere Informationen
Für weitere Fragen steht Ihnen Herr Dr. Artur Malzan unter Tel.:
04103-8006-313 oder unter E-Mail: a.malzan@medac.de
gern zur Verfügung.
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Literaturverzeichnis
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